Sanierputz gegen Feuchtigkeit in Kellern: So funktioniert er und wann er wirklich hilft

Warum dein Keller immer feucht bleibt - und was du dagegen wirklich tun kannst

Ein feuchter Keller ist mehr als nur ein Ärgernis. Die Wand ist kalt, der Geruch nach Moder liegt in der Luft, und egal wie oft du wischst - der Putz blättert ab, und weiße Krusten erscheinen wie von selbst. Das ist nicht einfach Schimmel, das ist Sanierputz notwendig. Denn normale Farben oder Abdichtungen helfen hier nicht. Sie versperren die Feuchtigkeit - und machen das Problem nur schlimmer.

Wenn Wasser aus dem Erdreich in deine Kellerwand steigt, nimmt es Salze mit. Chloride, Sulfate - das sind keine harmlosen Krümel. Sie greifen den Zement an, lösen den Putz auf und machen die Wand brüchig. Selbst wenn du die Wand trocken malst, kommt die Feuchtigkeit von unten zurück. Und mit ihr die Salze. Das ist der Kreislauf, der viele Hausbesitzer jahrelang quält.

Was ist Sanierputz wirklich - und wie unterscheidet er sich von normalen Putzen?

Sanierputz ist kein gewöhnlicher Wandputz. Er ist ein spezieller, diffusionsoffener Mörtel, der genau das macht, was andere Putze nicht können: Er zieht die Feuchtigkeit aus der Wand, speichert sie - und gibt sie langsam an die Raumluft ab. Das ist kein Zauber, das ist Physik.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Abdichtungen, die wie eine Plastikfolie wirken, ist Sanierputz atmungsaktiv. Er lässt Wasserdampf passieren, hält aber flüssiges Wasser zurück. Das ist entscheidend. Wenn du eine Wand mit Bitumen oder Kunststoff abdichtest, bleibt die Feuchtigkeit eingesperrt. Sie sammelt sich hinter der Schicht, drückt den Putz ab und führt zu Schäden, die erst sichtbar werden, wenn es zu spät ist.

Sanierputz hingegen ist großporig. Er hat eine spezielle Körnung, die wie ein Schwamm funktioniert. Er nimmt das Wasser und die Salze aus der Wand auf - und hält sie fest, bis sie verdunsten können. Das macht ihn zum Opferputz. Er opfert sich, um die Mauer zu retten.

Wie wird Sanierputz richtig aufgetragen - und warum die Vorbereitung alles entscheidet

Ein Sanierputz ist keine schnelle Lösung. Er braucht Zeit, und er braucht eine saubere Unterlage. Wenn du ihn einfach über den alten, losen Putz streichst, wirst du in einigen Monaten wieder vor dem gleichen Problem stehen.

Die korrekte Vorbereitung ist der wichtigste Schritt. Hier ist, was du tun musst:

  1. Den alten Putz komplett abschlagen - bis auf das rohe Mauerwerk. Kein Rest darf bleiben.
  2. Fugen und Risse auskratzen. Salze sammeln sich besonders dort.
  3. Die Wand gründlich abstauben und reinigen. Kein Staub, kein Fett, kein Altputz.
  4. Prüfen, ob eine Horizontalsperre vorhanden ist. Wenn nicht: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, eine einzubauen.

Ohne eine Horizontalsperre - also eine physikalische oder chemische Barriere im Mauerwerk - läuft der Sanierputz Gefahr, überfordert zu werden. Er kann nur die Restfeuchtigkeit aufnehmen, nicht die ständige Quelle. Wenn das Wasser von unten weiter steigt, wird der Putz in wenigen Monaten wieder salzig und bröckelig.

Der Sanierputz selbst wird in zwei Lagen aufgetragen, jeweils 10 bis 15 Millimeter dick. Das ergibt eine Gesamtdicke von 20 bis 30 mm. Die erste Lage bindet die Salze, die zweite sorgt für eine gleichmäßige Oberfläche. Manche Hersteller wie MEM oder SAKRET empfehlen, nach der zweiten Lage einen dünnen Klebespachtel aufzutragen, bevor der Endputz kommt. Das sorgt für bessere Haftung.

Wie lange dauert es, bis der Keller trocken wird?

Das ist die häufigste Frage - und die Antwort ist einfach: Es dauert.

Es gibt eine Faustregel: Ein Millimeter Putzdicke braucht etwa einen Tag zum Trocknen. Das bedeutet: Bei 25 mm Dicke brauchst du mindestens 25 Tage, bis der Putz vollständig ausgetrocknet ist. In der Praxis dauert es oft länger - besonders in kalten, feuchten Wintermonaten.

Während dieser Zeit darfst du die Wand nicht abdichten. Keine Folien, keine Dichtanstriche. Die Feuchtigkeit muss nach oben entweichen können. Lüften ist jetzt wichtiger denn je. Täglich mindestens drei Mal 10 Minuten Stoßlüften - auch im Winter. Das ist kein Luxus, das ist Pflicht.

Wenn du zu früh streichst, verhinderst du die Trocknung. Die Salze bleiben im Putz, und nach einigen Monaten kommt es zu erneutem Abplatzungen. Das ist der häufigste Fehler - und kostet dann doppelt Geld.

Schnitt durch Kellerwand mit aufsteigender Feuchtigkeit und Sanierputz-Schicht

Wann hilft Sanierputz - und wann ist er die falsche Lösung?

Sanierputz ist kein Allheilmittel. Er funktioniert nur, wenn die Feuchtigkeit von unten kommt - also durch aufsteigende Feuchtigkeit. Das ist der klassische Fall: Wasser aus dem Erdreich steigt durch Kapillaren in der Wand nach oben.

Wenn du aber eine undichte Rohrleitung hast, oder Wasser von außen durch Risse in der Außenwand eindringt, dann ist Sanierputz sinnlos. Du musst erst die Ursache beseitigen. Ein undichtes Abwasserrohr? Das musst du reparieren. Eine brüchige Außenabdichtung? Die muss erneuert werden.

Ein weiterer Fall: Wenn die Feuchtigkeit von innen kommt - durch schlechte Lüftung, zu viel Dampf aus der Küche oder dem Bad - dann brauchst du keine Sanierung, sondern eine bessere Belüftung. Ein Luftentfeuchter oder eine mechanische Lüftungsanlage hilft hier mehr als jeder Putz.

Sanierputz ist nur für einen Fall richtig: Wenn die Wand von unten nass ist, und Salze aus dem Erdreich mitkommen. Dann ist er die beste, schonendste und langfristigste Lösung - besonders für alte Gebäude, wo man nicht einfach die Außenwand abreißen kann.

Was ist mit Alternativen wie Horizontalsperren oder Dichtungssystemen?

Es gibt andere Wege, aber sie sind oft invasiver. Eine horizontale Sperrschicht wird in die Wand geschnitten - das ist ein großer Eingriff. Du bohrst Löcher, spritzt Chemikalien ein, oder legst Metallfolien ein. Das ist teuer, staubig, und bei historischen Bausubstanz oft nicht erlaubt.

Sanierputz hingegen ist eine sanfte Lösung. Er wird aufgetragen, nicht eingebaut. Keine Bohrungen, keine Zerstörung. Deshalb ist er besonders beliebt bei Denkmalpflegern und bei Hausbesitzern, die ihre alte Bausubstanz erhalten wollen.

Einige Hersteller wie PCI oder Saint-Gobain Weber bieten ganze Systeme an: Horizontalsperre + Sanierputz + Wassersperrputz. Das ist die Premium-Lösung. Aber auch hier: Die Horizontalsperre ist der Kern. Der Sanierputz ist der Begleiter. Er macht die letzte Feuchtigkeit unschädlich - aber er kann nicht die Quelle abstellen.

Wie lange hält Sanierputz - und braucht er Wartung?

Ein gut verarbeiteter Sanierputz hält 15 bis 25 Jahre. Aber nur, wenn die Feuchtigkeitsquelle unter Kontrolle ist.

Bei starker Salzbelastung - zum Beispiel in alten Häusern mit schlechter Drainage oder hohem Grundwasserstand - kann der Putz schneller gesättigt sein. Dann wird er zum Opferputz: Er nimmt so viel Salz auf, dass er sich selbst abbaut. Nach 5 bis 10 Jahren kann er abplatzen. Das ist kein Defekt, das ist Funktion. Du musst ihn dann einfach erneuern.

Es gibt keine „einmalig und für immer“-Lösung. Aber du musst nicht jedes Jahr ran. Wenn du die Lüftung im Keller verbessert hast, die Drainage kontrollierst und die Außenwand in Ordnung hältst, brauchst du den Sanierputz nur alle 15 bis 20 Jahre neu auftragen.

Ein Tipp: Wenn du den Sanierputz neu aufbringst, lass dich von einem Fachmann beraten. Einige Hersteller bieten kostenlose Mauerwerksanalysen an. Die zeigen dir genau, ob Sanierputz die richtige Wahl ist - oder ob du doch eine andere Lösung brauchst.

Frisch aufgetragener Sanierputz an einer trocknenden Mauer im Keller

Was kommt nach dem Sanierputz - und wie wird die Wand weiter verarbeitet?

Nachdem der Sanierputz vollständig getrocknet ist, kommt der Endputz. Das ist kein normaler Anstrich. Du brauchst einen speziellen Putzgrund, der die Salze nicht wieder freisetzt. Danach folgt ein Oberputz - meist ein Kalk- oder Silikatputz. Diese sind diffusionsoffen und verhindern, dass Feuchtigkeit von innen in die Wand zurückkehrt.

Einige Hersteller wie MEM oder SAKRET bieten fertige Systeme an: Sanierputz + Grundierung + Oberputz - alles aufeinander abgestimmt. Das ist die einfachste Variante. Du brauchst nur die Anleitung befolgen - und keine Rezepturen selbst mischen.

Die Oberfläche kannst du strukturieren, glätten oder sogar streichen - aber nur mit dampfdurchlässigen Farben. Keine Dispersionsfarben, keine Vinylfarben. Die sind dicht und verhindern die Atmung. Das bringt dich zurück zum Ausgangspunkt.

Die wichtigsten Hersteller und Produkte auf einen Blick

Es gibt viele Anbieter, aber nur wenige mit echter Erfahrung. Hier sind die bekanntesten und am häufigsten verwendeten:

  • MEM SANIERPUTZ CLASSIC: Speziell für Ziegel und Naturstein. 25 kg Sack, grau oder weiß. Geprüft vom Hygiene-Institut des Ruhrgebiets.
  • SAKRET Sanierputz: Teil eines 6-Schritte-Systems. Gut für Selbstbauer, mit klarer Anleitung.
  • Saint-Gobain Weber Kellerinnensanierungssystem: Komplettlösung mit Horizontalsperre, Sanierputz und Wassersperrputz. Ideal für komplexe Fälle.
  • PCI Barra® System: Kombiniert Dichtungsmaterial mit Sanierputz. Sehr robust, aber teurer.

Alle diese Produkte sind in Baumärkten oder bei Fachhändlern erhältlich. Achte darauf, dass du die Anleitung des Herstellers befolgst - nicht die von einem Nachbarn oder aus dem Internet.

Was passiert, wenn du es falsch machst?

Die meisten Fehler sind einfach, aber teuer:

  • Alten Putz nicht abgeschlagen → Sanierputz haftet nicht → er fällt ab.
  • Keine Horizontalsperre eingebaut → Feuchtigkeit kommt weiter → Putz wird in 6 Monaten wieder salzig.
  • Zu dünn aufgetragen (unter 20 mm) → zu wenig Speicherkapazität → Salze brechen durch.
  • Früh abgestrichen oder gestrichen → Feuchtigkeit bleibt eingesperrt → Schimmel wächst darunter.
  • Kein Lüften während der Trocknungsphase → Trocknung dauert doppelt so lange → Kosten steigen.

Ein Fehler kostet nicht nur Geld. Er kostet Zeit, Nerven und oft auch den Wert deines Hauses. Ein feuchter Keller senkt den Verkaufswert um bis zu 15 %. Das ist kein kleiner Verlust.

Was du jetzt tun solltest

Wenn dein Keller schon länger feucht ist, ist der Zeitpunkt gekommen, dich ernsthaft damit zu beschäftigen. Hol dir eine Mauerwerksanalyse - viele Hersteller bieten sie kostenlos an. Sie zeigt dir genau, ob es aufsteigende Feuchtigkeit ist, oder etwas anderes.

Wenn ja: Dann ist Sanierputz deine beste Wahl. Aber nur, wenn du ihn richtig anwendest. Keine Halbherzigkeiten. Keine Abkürzungen. Alles oder nichts.

Ein trockener Keller ist nicht nur angenehmer. Er ist sicherer. Er schützt deine Bausubstanz. Er erhöht den Wert deines Hauses. Und er macht dich unabhängig von teuren Heizkosten - denn eine feuchte Wand kann nicht gedämmt werden.

Es ist kein einfacher Job. Aber es ist ein lohnender. Und es ist der einzige Weg, der wirklich hält - wenn du ihn richtig machst.

Januar 1, 2026 / Bauen und Renovieren /