Verpresssysteme für Metallrohre: TH, M und U Profile im Vergleich

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in der Wandnische eines Neubaus, das Werkzeug ist bereit, aber die Verbindung zwischen zwei Rohren entscheidet über den Erfolg des gesamten Projekts. Lötverbindungen sind altmodisch und langsam, Schraubverbindungen können mit der Zeit nachlassen. Hier kommen Verpresssysteme ins Spiel - eine Technologie, die seit über 30 Jahren den Installationsmarkt dominiert. Doch nicht jedes System passt auf jedes Rohr. Die Wahl des richtigen Profils - ob TH, M oder U - ist keine Geschmacksfrage, sondern eine technische Notwendigkeit, die Sicherheit und Dichtigkeit garantiert.

Das Grundprinzip: Warum Pressen besser funktioniert als Löten

Beim Verpressen werden Formteile (Fittings) und Rohre elektrohydraulisch oder elektromechanisch unlösbar miteinander verbunden. Das klingt komplex, ist in der Praxis aber erstaunlich simpel. Ein spezialisierter Pressfitting wird auf das Rohrende gesteckt. Dann kommt ein Presswerkzeug zum Einsatz, das durch hydraulischen Druck eine plastische Verformung erzeugt. Im Inneren des Fittings sorgt ein O-Ring aus EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) für die Abdichtung. Dieser Ring ist thermisch beständig und langlebig. Der entscheidende Vorteil? Unverpresste Stellen bleiben dichtungslos und somit undicht. Bei einer Druckprüfung fallen Fehler sofort auf. Es gibt kein "vielleicht" - es funktioniert oder es tropft.

TH-Profil: Der Standard für Aluminium-Verbundrohre

Wenn Sie mit Aluminium-Verbundrohren arbeiten, führt kein Weg am TH-Profil vorbei. Dieses System ist speziell für die Installation von Trinkwasser- und Heizungsleitungen konzipiert. Ein TH-Fitting besteht aus einem robusten Grundkörper, Presshülsen und den erwähnten EPDM-Dichtungen. Die Installation erfolgt ohne offene Flamme, was Brandschutzauflagen vereinfacht und die Arbeit beschleunigt.

Wie gehen Sie dabei vor? Zuerst schneiden Sie das Rohr mit einer scharfen Rohrschere ab. Wichtig: Entgraten Sie das Innere und Äußere des Rohres sorgfältig. Scharfe Kanten können den O-Ring beschädigen. Stecken Sie den Fitting bis zum Anschlag auf das Rohr. Viele TH-Fittings haben kleine Kontrollfenster an der Hülse, damit Sie sehen können, ob das Rohr tief genug sitzt. Danach setzen Sie die Pressbacke mit TH-Kontur an und geben den Befehl zum Pressen. Der Vorgang dauert oft nur wenige Sekunden. Nach dem Pressen ist die Verbindung fest und dicht. Diese Methode eignet sich perfekt für Unterputzinstallationen, da keine beweglichen Teile wie bei Gewindeverbindungen vorhanden sind, die später korrodieren könnten.

Edelstahlrohre mit M-Profil in moderner Installation

M-Profil: Präzision für Edelstahlleitungen

Für anspruchsvollere Anwendungen, insbesondere bei Edelstahlrohren aus dem Werkstoff AISI 316L (auch V4A genannt), ist das M-Profil die erste Wahl. Dieses System wird häufig in Bereichen eingesetzt, wo Hygiene und Korrosionsbeständigkeit oberste Priorität haben, etwa in der Lebensmittelindustrie oder bei hochwertigen Wohnbauprojekten.

Technisch gesehen ist das M-Profil sehr leistungsfähig. Systeme wie NUMEPRESS decken einen großen Durchmesserbereich ab, von 15 mm bis hin zu 168,3 mm Außenrohrdurchmesser. Der maximale Arbeitsdruck liegt hier oft bei 16 bar. Was viele Installateure schätzen: Das M-Profil ist weitgehend kompatibel mit dem V-Profil (häufig bei Kupfer verwendet). In vielen Fällen können dieselben Presszangen genutzt werden; lediglich die Pressbacken oder Ketten müssen gewechselt werden. Das spart Platz im Werkzeugkoffer und reduziert die Anschaffungskosten für neues Equipment, wenn man vom Kupfer- auf das Edelstahlsystem wechselt.

U-Profil und weitere Konturen: Flexibilität im Portfolio

Neben TH und M existieren weitere Profile wie das U-Profil, das von Herstellern wie Rothenberger für verschiedene metallische Rohrleitungssysteme angeboten wird. Dazu gehören teils auch Stahl- oder spezielle Kupferanwendungen. Hersteller nutzen hier innovative Technologien wie die ROTHENBERGER DURA LAZR TEC®, ein partielles Laser-Härteverfahren. Dieses Verfahren erhöht die Lebensdauer der Pressringe und sorgt dafür, dass die Backen präziser greifen und weniger verschleißen.

Die Vielfalt der Profile (G, M, SV, TH, U, V) zeigt, dass es keine Universallösung gibt. Jedes Material hat spezifische physikalische Eigenschaften. Aluminium-Verbundrohre verhalten sich anders als massiver Edelstahl oder weiches Kupfer. Das U-Profil füllt oft Nischen, in denen andere Konturen nicht optimal passen, oder dient als Übergangslösung in gemischten Anlagen. Wenn Sie unsicher sind, werfen Sie einen Blick auf die technischen Datenblätter des Herstellers. Dort finden Sie genau definierte Zuordnungen von Rohrmaterial zu Presskontur.

Techniker nutzt Presswerkzeug für U-Profil-Verbindung

Werkzeugtechnik: Kraft trifft auf Ergonomie

Ohne das richtige Werkzeug bleibt das beste System Theorie. Moderne Geräte wie die Hilti NPR 32-A sind wahre Alleskönner. Mit einer Presskraft von 32 kN schaffen sie Verbindungen in etwa vier Sekunden. Ein besonders praktisches Feature ist der um 350° drehbare Werkzeugkopf. Kennen Sie das Problem? Eine Leitung sitzt eng neben einem Balken oder in einer Ecke, und der Kopf des Pressgeräts passt nicht gerade darauf. Mit einem rotierbaren Kopf können Sie die Backen einfach in die richtige Position drehen, ohne Ihre gesamte Körperhaltung zu verbiegen.

Achten Sie beim Kauf oder Leihen von Werkzeugen darauf, dass die Akkus leistungsstark sind und die Ladestation schnell wieder einsatzbereit ist. Nichts frustriert mehr als ein leerer Akku mitten in der Montagephase, wenn die Baustelle stillsteht.

Qualitätssicherung: Die Dichtheitsprüfung

Haben Sie alle Verbindungen gepresst? Dann beginnt der wichtigste Schritt: die Druckprüfung. Bevor Sie die Anlage in Betrieb nehmen, muss sie unter Druck gesetzt werden. Übliche Prüfdrücke liegen bei etwa 4,5 bar, können je nach Systemvorgabe aber variieren. Halten Sie diesen Druck über einen definierten Zeitraum. Sinkt der Druck ab, suchen Sie nach Lecks. Da unverpresste Fittings per Design undicht sind, erkennen Sie Fehlerquellen extrem schnell. Nach bestandener Prüfung sollte das System gespült werden, um Produktionsrückstände zu entfernen. Nur so garantieren Sie, dass das Wasser sauber fließt und die Ventile nicht blockieren.

Vergleich der gängigsten Pressprofile
Profil Typisches Rohrmaterial Hauptanwendung Besonderheit
TH Aluminium-Verbundrohr Trinkwasser, Heizung Kontrollfenster zur Sichtkontrolle der Einschubtiefe
M Edelstahl (V4A) Hygienebereiche, Hochdruck Kompatibel mit V-Profil-Werkzeugen (Backenwechsel)
U Stahl, Kupfer, Edelstahl Allgemeiner Rohrleitungsbau Lasergehärtete Backen für lange Lebensdauer

Kann ich ein TH-Profil für Edelstahlrohre verwenden?

Nein, das ist nicht empfehlenswert. TH-Profile sind geometrisch und drucktechnisch auf die Elastizität und Härte von Aluminium-Verbundrohren optimiert. Für Edelstahl sollten Sie zwingend das M-Profil (oder V-Profil) verwenden, um eine sichere und normgerechte Verbindung zu gewährleisten. Eine falsche Kombination kann zu Undichtigkeiten oder mechanischem Versagen führen.

Sind Pressverbindungen wirklich unlösbar?

Ja, sie gelten als unlösbare Verbindungen. Im Gegensatz zu Schraubverbindungen lassen sie sich nicht einfach wieder öffnen, ohne das Material zu zerstören. Wenn eine Korrektur nötig ist, muss der betroffene Abschnitt abgeschnitten und neu gepresst werden. Dies macht sie ideal für dauerhafte Installationen, erfordert aber Planungssicherheit.

Welches Werkzeug brauche ich für TH-Fittings?

Sie benötigen ein Presswerkzeug mit expliziter TH-Kontur (Pressbacken oder -ketten). Viele moderne Akkupressgeräte sind modular aufgebaut und erlauben den Wechsel der Backen. Achten Sie darauf, dass das Werkzeug die erforderliche Presskraft für den jeweiligen Rohrdurchmesser aufbringen kann. Eine scharfe Rohrschere und ein Entgrater sind ebenfalls Pflicht.

Warum sind unverpresste Fittings undicht?

Dies ist ein Sicherheitsfeature. Die Dichtung (O-Ring) wird erst durch die Verformung des Metalls während des Pressvorgangs komprimiert und aktiviert. Solange nicht gepresst wurde, liegt der O-Ring locker an und bietet keine Abdichtung gegen Druck. So erkennen Sie vergessene Pressstellen sofort bei der Druckprüfung.

Was kostet ein professionelles Presswerkzeug?

Ein gutes Akkupressgerät kostet je nach Marke und Ausstattung zwischen 500 und 1.500 Euro. Für gelegentliche Heimwerkerprojekte lohnt sich oft das Leihen im Baumarkt. Profis investieren in hochwertige Marken wie Rothenberger oder Hilti, da diese Geräte jahrelang halten und Ersatzteile leicht verfügbar sind.

September 14, 2026 / Bauen und Renovieren /