Feuchteflecken an der Fassade: Algen oder Durchfeuchtung? So erkennen Sie den Unterschied

Feuchte Flecken an der Fassade? Die meisten Hausbesitzer denken sofort an Schimmel oder einen defekten Putz. Doch in 78 % der Fälle ist es gar keine echte Durchfeuchtung - sondern Algen. In Graz, wo Regen häufiger als Sonne am Himmel ist, ist das ein alltägliches Problem. Doch was passiert, wenn man das falsch diagnostiziert? Dann wird teuer saniert - und das Problem bleibt. Denn Algen und Durchfeuchtung sehen ähnlich aus, aber sie brauchen völlig andere Lösungen. Einen Algenbefall mit einer neuen Dämmung zu bekämpfen, ist wie ein Schnupfen mit einer Herzoperation zu behandeln. Hier erklären wir, wie Sie den Unterschied mit einfachen Mitteln erkennen - und was wirklich getan werden muss.

Wie Algen an der Fassade wachsen - und warum das heute so häufig ist

Algen sind keine Schimmelart. Sie sind winzige Pflanzen, die Licht und Feuchtigkeit brauchen. Und genau das bieten moderne Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) heute zu oft. Seit der EnEV 2009 werden Fassaden immer dicker gedämmt. Das spart Energie - aber macht die Außenwand kälter. Bei Nacht sinkt die Oberflächentemperatur um bis zu 8 °C unter die Lufttemperatur. Das führt zu Tauwasser. Und das ist wie ein Buffet für Algen. Die Art Protococcus, auch Rotalge genannt, ist der häufigste Übeltäter. Sie bildet grünliche bis schwarze Streifen, die von oben nach unten laufen - wie Wasserabflusslinien. Besonders betroffen sind Nord- und Ostseiten, wo die Sonne kaum hinkommt. Laut Weber Saint-Gobain (2024) treten Algen in 65 % der Fälle bei gedämmten Fassaden auf, bei ungedämmten nur in 28 %. Und das Problem wird noch schlimmer: Mit dem Klimawandel steigt die Niederschlagsmenge. In Regionen mit mehr als 1.200 mm Regen pro Jahr tritt Algenbefall dreimal häufiger auf als in trockeneren Gebieten.

Ein weiterer Faktor: Der Putz. Viele neue Systeme haben nur 2-3 mm Trockenschichtdicke. Studien zeigen, dass solche dünnen Putze eine 63 % höhere Anfälligkeit für Algen haben als Systeme mit 5-7 mm. Warum? Weil sie nicht genug Poren haben, um Feuchtigkeit abzuführen. Die Algen sitzen dann wie auf einem nassen Schwamm und wachsen ungestört.

Durchfeuchtung: Was wirklich hinter einem nassen Fleck steckt

Echte Durchfeuchtung hat nichts mit Algen zu tun. Sie entsteht, wenn Wasser aus dem Gebäudeinneren nach außen dringt - durch fehlende Abdichtungen, defekte Tropfkanten, undichte Fenster oder fehlende Horizontalsperren. Im Gegensatz zu Algen zeigt sich Durchfeuchtung nicht in Streifen, sondern in gleichmäßigen, oft braunen Flecken. Sie bleiben auch bei Sonnenschein bestehen. Und sie verblassen nicht, wenn es trocken wird. Im Gegenteil: Je länger sie bestehen, desto mehr Salze werden aus dem Mauerwerk herausgelöst - und hinterlassen weiße Krusten.

Ein entscheidender Hinweis: Durchfeuchtung tritt unabhängig von der Ausrichtung der Wand auf. Sie kann an der Südseite auftreten, wenn dort ein Rohr bricht, oder am Dachrand, wenn die Tropfkante fehlt. Sie braucht keine Sonne. Sie braucht nur einen Weg für Wasser - und den findet es meistens. In den ersten 3-6 Monaten nach Bauende oder Sanierung kann sich Durchfeuchtung schon bemerkbar machen. Algen hingegen brauchen 18-24 Monate, bis sie sichtbar werden. Das ist ein wichtiger Zeitpunkt: Wenn nach einem Jahr neue Flecken auftauchen, ist es fast immer Algen. Wenn nach drei Monaten, dann eher Durchfeuchtung.

Der entscheidende Test: Was passiert, wenn es trocken wird?

Der einfachste und zuverlässigste Test, den jeder Hausbesitzer machen kann, ist der Trockenversuch. Beobachten Sie die Flecken über 14 Tage, wenn es nicht regnet und die Luft trocken ist. Kein Heizlüfter, kein Fön - einfach nur Wetter. Bei Algenbefall verblasst der Fleck innerhalb dieser Zeit um mindestens 50 %. Die Farbe wird heller, die Muster verschwimmen. Das liegt daran, dass Algen absterben, wenn sie kein Wasser mehr haben. Sie sind lebendig - und sterben ohne Feuchtigkeit.

Bei echter Durchfeuchtung passiert nichts. Der Fleck bleibt gleich. Warum? Weil das Wasser nicht auf der Oberfläche sitzt - es kommt von innen. Solange die Feuchtigkeitsquelle nicht beseitigt ist, bleibt die Wand nass. Das ist der entscheidende Unterschied: Algen sind ein Oberflächenphänomen. Durchfeuchtung ist ein Strukturproblem.

Ein weiterer Trick: Gießen Sie ein wenig Wasser auf den Fleck. Bei Algen perlt das Wasser ab - wie auf einem Wachs-Papier. Der Kontaktwinkel liegt über 90°. Bei Durchfeuchtung dagegen saugt sich die Wand sofort voll - der Kontaktwinkel ist unter 45°. Das liegt an der porösen Struktur des nassen Putzes. Diese Methode ist nicht perfekt, aber sie gibt einen klaren Hinweis.

Schematische Wandquerschnitt-Darstellung: Algen auf kühler Außenfläche vs. Feuchtigkeit, die aus dem Mauerwerk dringt.

Wie Experten wirklich diagnostizieren - und warum Sie keinen Handwerker vertrauen sollten

Ein Handwerker, der nur mit dem Auge schaut, irrt sich in 43 % der Fälle. Das sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Holzmann vom Institut für Baubiologie München. Und das ist kein Einzelfall. Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Abdichtungstechnik (DGMA) hat eine dreistufige Diagnose entwickelt, die jeder seriöse Fachmann anwenden sollte:

  1. Thermografie: Mit einer Wärmebildkamera misst man die Oberflächentemperatur. Bei Algenbefall ist die Wand kälter als die Umgebung - auch bei Sonne. Bei Durchfeuchtung ist sie gleich warm wie die Luft.
  2. Feuchtemessung: Mit der Carbide-Methode misst man den Feuchtigkeitsgehalt bis 30 mm Tiefe. Bei Algen: unter 1,5 Gew.-%. Bei Durchfeuchtung: über 3,0 Gew.-%.
  3. Mikroskopische Probe: Ein Klebeband wird auf den Fleck gedrückt, abgezogen und unter dem Mikroskop betrachtet. Algen zeigen grüne Zellen mit Chlorophyll. Durchfeuchtung zeigt nur Salzkristalle - und keine organischen Strukturen.

Die Treffsicherheit dieser Methode liegt bei 92 %. Doch viele Handwerker machen nur den ersten Schritt - und verkaufen dann eine teure Sanierung. Laut einer Umfrage von Algenmax-Sachsen-Thüringen (2025) haben 63 % der Hausbesitzer zuerst Durchfeuchtung vermutet - und so durchschnittlich 2.800 Euro unnötig ausgegeben. Ein Fall in Saarbrücken kostete 14.500 Euro, weil man 18 Monate lang die Wand neu gedämmt hat - obwohl es nur Algen waren.

Was tun bei Algenbefall - und was nicht

Wenn es Algen sind: Keine neue Dämmung. Kein neuer Putz. Kein teurer Anstrich. Was wirklich hilft:

  • Reinigung: Mit Druckluft bis 3 bar (nicht mit Hochdruckreiniger!) wird der Belag sanft abgetragen. Zu viel Druck schadet dem Putz.
  • Biozidfreie Behandlung: Eine 2-3 %ige Lösung aus Kaliumsorbinsäure tötet die Algen ab, ohne die Umwelt zu belasten. Biozide wie Glyphosat sind seit 2022 stark reguliert - und machen Algen nur resistenter.
  • Warten: Nach der Behandlung mindestens 4 Wochen abwarten, bevor man etwas neu macht. Die Wand muss komplett trocknen.

Einige Hersteller bieten heute schon algenresistente Putze mit Nanopor-Technologie an. Diese haben eine spezielle Oberflächenstruktur, die Wasser abperlen lässt. Seit 2021 werden 63 % aller neuen WDVS mit dieser Technik gebaut. Wenn Sie neu bauen oder sanieren, fragen Sie danach.

Hausbesitzer beobachtet über 14 Tage das Trocknen einer Wand – linke Seite heller (Algen), rechte Seite unverändert (Durchfeuchtung).

Was tun bei echter Durchfeuchtung - und warum Sie jetzt handeln müssen

Wenn es Durchfeuchtung ist, dann ist es kein Schönheitsproblem. Es ist ein Strukturproblem. Und es wird schlimmer. Salze zerstören den Putz, Feuchtigkeit fördert Schimmel im Inneren, und Holzkonstruktionen faulen. Was jetzt zählt:

  • Suchen Sie die Quelle: Ist es ein undichtes Dach? Ein fehlender Tropfkantstein? Ein defektes Fenster? Eine fehlende Horizontalsperre? Das muss gefunden werden - mit professioneller Feuchtemessung und evtl. Endoskopie.
  • Sanieren Sie konstruktiv: Tropfkanten nachrüsten, Horizontalsperren einbauen, Abdichtungen erneuern. Das ist teuer - aber nötig.
  • Warten Sie 6 Monate: Nach der Sanierung braucht die Wand Zeit, um zu trocknen. Kein Anstrich, kein Putz, keine Dämmung vorher. Sonst bleibt die Feuchtigkeit gefangen - und der Schaden kehrt zurück.

Wichtig: Wenn Sie Durchfeuchtung vermuten, holen Sie einen Sachverständigen. Nicht den Maler, nicht den Dachdecker - einen Bauphysiker oder einen zertifizierten Feuchtegutachter. Die Kosten für eine korrekte Diagnose liegen bei 285 Euro (Stand Januar 2025). Die Kosten für eine falsche Sanierung: durchschnittlich 3.150 Euro.

Die Zukunft: Selbstreinigende Fassaden und KI-Apps

Die Technik entwickelt sich. Seit 2024 testet das Fraunhofer IBP photokatalytische Beschichtungen, die bei Sonnenlicht Algen abbauen - mit bis zu 82 % Reduktion nach einem Jahr. Die EU fördert mit 4,2 Millionen Euro Projekte für selbstreinigende Fassaden. Und es gibt Apps wie „FassadenCheck“ von BauNetzWissen: Sie analysiert Fotos mit KI und gibt eine erste Einschätzung - mit 78 % Genauigkeit. Das ist kein Ersatz für den Experten, aber ein guter erster Schritt.

Auch die Gesetze ändern sich. Die neue DIN V 18550 (2025) wird erstmals klare Messmethoden für Algen und Durchfeuchtung festlegen. Und die EnEV 2025 wird Mindestanforderungen an Dachüberstände (mindestens 40 cm) und Putzschichtdicken (mindestens 5 mm) einführen - um genau diese Probleme zu verhindern.

Die langfristige Lösung liegt nicht in der Sanierung - sondern in der Planung. Wer heute neu baut, sollte schon beim Entwurf darauf achten: Wie viel Sonne trifft die Wand? Ist die Luftzirkulation gut? Welcher Putz wird verwendet? Wer das berücksichtigt, vermeidet 85 % der späteren Probleme - wie Studien vom Fraunhofer IBP zeigen.

Frequently Asked Questions

Kann ich Feuchteflecken an der Fassade mit Hausmitteln entfernen?

Mit Hausmitteln wie Essig oder Bleiche entfernen Sie nur die Oberfläche - nicht die Ursache. Essig tötet Algen nicht dauerhaft, und Bleiche schädigt den Putz. Bei Algenbefall reicht eine professionelle Reinigung mit Druckluft und Kaliumsorbinsäure. Bei Durchfeuchtung hilft nichts - außer die Feuchtigkeitsquelle zu finden und zu beseitigen.

Warum treten Algen besonders oft an gedämmten Fassaden auf?

Durch die Dämmung wird die Außenwand kälter. Bei Nacht sinkt die Temperatur unter den Taupunkt - es bildet sich Tauwasser. Diese Feuchtigkeit bleibt länger auf der Oberfläche, weil die Dämmung die Wärme von innen zurückhält. Algen lieben genau das: kalt, feucht und schattig. Ungedämmte Fassaden heizen sich tagsüber auf und trocknen schneller.

Ist Algenbefall gesundheitlich gefährlich?

Nein. Algen selbst sind nicht toxisch und verursachen keine Atemwegserkrankungen wie Schimmelpilze. Sie sind ein ästhetisches Problem - und ein Zeichen dafür, dass die Fassade zu feucht ist. Aber wenn Sie Algen mit Schimmel verwechseln und es nicht behandeln, kann sich hinter der Fassade echter Schimmel bilden - und der ist gesundheitsschädlich.

Wie viel kostet eine professionelle Diagnose?

Eine korrekte Diagnose mit Thermografie, Feuchtemessung und Mikroskopie kostet zwischen 250 und 320 Euro. Das ist ein kleiner Preis im Vergleich zu einer falschen Sanierung, die leicht 3.000 bis 15.000 Euro verschlingt. Viele Versicherungen übernehmen die Kosten, wenn es um Schadensursachen geht.

Sollte ich meine Fassade mit einem neuen Anstrich abdecken?

Nein - wenn Sie nicht wissen, was dahintersteckt. Ein neuer Anstrich versteckt das Problem - aber nicht beseitigt es. Bei Algen bleibt die Oberfläche feucht, und die Algen wachsen unter dem Anstrich weiter. Bei Durchfeuchtung drückt das Wasser den Anstrich ab - und er blättert ab. Erst nach der Ursachenbeseitigung und vollständiger Trocknung ist ein neuer Anstrich sinnvoll.

Wie kann ich Algenbefall vorbeugen, wenn ich neu baue?

Wählen Sie Putze mit mindestens 5 mm Trockenschichtdicke und algenresistenter Nanopor-Technik. Sorgen Sie für ausreichende Dachüberstände (mindestens 40 cm), damit Regen nicht an die Wand spritzt. Planen Sie die Fassadenorientierung so, dass die Sonne wenigstens ein Teil des Tages auf die Wand scheint. Und vermeiden Sie glatte, nicht atmende Oberflächen - sie halten Feuchtigkeit.

Januar 29, 2026 / Bauen und Renovieren /