Was kostet wirklich eine neue Heizung? Wärmepumpe oder Gas - der echte Vergleich für Altbauten
Stell dir vor, du stehst vor einer Entscheidung, die dich die nächsten 20 Jahre begleiten wird: Deine alte Gasheizung ist kaputt. Jetzt musst du entscheiden - bleibt es bei Gas, oder wechselst du zur Wärmepumpe? Viele Hausbesitzer in Österreich und Deutschland denken noch: „Gas ist günstiger.“ Aber das ist 2026 nicht mehr wahr. Die Wahrheit liegt in den Zahlen - und die zeigen klar: Wer heute auf Gas setzt, zahlt morgen doppelt.
Im Jahr 2025 hat sich der Markt komplett gedreht. Während vor fünf Jahren noch jede zweite neue Heizung ein Gasgerät war, liegt der Anteil der Wärmepumpen jetzt bei 48%. In Bayern installieren bereits 62% der Hausbesitzer eine Wärmepumpe. In Ostdeutschland hält sich Gas noch - aber auch dort bricht der Markt langsam ein. Warum? Es geht nicht nur um Umwelt. Es geht um Geld. Viel Geld.
Die Anschaffungskosten: Wärmepumpe ist teurer - aber die Förderung macht den Unterschied
Ja, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet mehr als eine neue Gasheizung. Das ist nicht zu leugnen. Ein typisches Gerät für ein Einfamilienhaus liegt zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Im Durchschnitt rechnest du mit 16.900 Euro. Eine moderne Gas-Brennwertheizung? Die bekommst du für 6.900 bis 14.000 Euro. Mittelwert: 8.500 Euro. Der Unterschied ist deutlich.
Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Die Förderung. Seit 2024 gibt es für Wärmepumpen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bis zu 70% Zuschuss - je nach Dämmung und Heizlast. Das bedeutet: Ein Gerät, das 16.900 Euro kostet, wird dir mit 50% Förderung nur noch 8.450 Euro kosten. Und das ist weniger als die teuerste Gasheizung. Du zahlst nicht den vollen Preis. Du zahlst nur den Netto-Aufpreis - und der ist oft kleiner als gedacht.
Gasheizungen hingegen bekommen seit 2024 keine Förderung mehr. Keinen Cent. Keine Steuererstattung. Keine Zuschüsse. Du zahlst den vollen Preis - und dafür bekommst du eine Technologie, die ab 2029 mit Biogas-Mischpflicht und CO2-Abgabe belastet wird. Das ist kein Investment. Das ist eine Kostenfalle.
Die laufenden Kosten: Strom vs. Gas - wer spart wirklich?
Ein typisches Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern und 18.000 kWh Wärmebedarf verbraucht pro Jahr:
- Wärmepumpe (JAZ 3,5): 5.143 kWh Strom - bei 0,397 €/kWh: 1.843 Euro/Jahr
- Gasheizung: 18.000 kWh Gas - bei 0,1224 €/kWh: 1.989 Euro/Jahr
Das sieht auf den ersten Blick so aus, als ob Gas günstiger wäre. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Gaspreis von 0,1224 €/kWh ist ein historischer Tiefstand - und er wird nicht bleiben. Ab 2025 gilt eine Biogas-Mischpflicht von 5%, die bis 2030 auf 15% steigt. Das erhöht die Gaspreise um 8 bis 12%. Gleichzeitig sinkt der Strompreis für Wärmepumpen durch die EEG-Novelle 2024 - du sparst 5,5 Cent pro kWh, wenn du einen speziellen Wärmepumpentarif nutzt. Das sind 8 bis 12 Cent pro kWh Unterschied. Mit diesem Tarif sinken deine Stromkosten auf unter 1.500 Euro pro Jahr.
Und dann kommt der CO2-Preis. Er liegt 2026 bei 65 Euro pro Tonne und steigt jährlich um 10 bis 15 Euro. Bis 2030 wird er bei 180 Euro liegen. Das macht bei einer Gasheizung mit 2.000 kg CO2-Jahresemissionen 120 Euro zusätzliche Kosten pro Jahr - und das wird jedes Jahr teurer. Die Wärmepumpe emittiert dagegen nur 200 kg CO2, wenn du Strom aus dem Netz beziehst. Und wenn du später deine eigene Solaranlage hast? Dann ist die CO2-Bilanz fast null.
Die Gesamtkosten über 20 Jahre: Wer zahlt am wenigsten?
Jetzt rechnen wir alles zusammen - Anschaffung, Förderung, Energie, Wartung, CO2-Preise. Hier ist das Ergebnis für ein Einfamilienhaus:
| Kostenposition | Wärmepumpe | Gasheizung |
|---|---|---|
| Anschaffung (Netto mit Förderung) | 8.450 € | 8.500 € |
| Energiekosten (20 Jahre, mit Preissteigerung) | 29.100 € | 71.900 € |
| Wartungskosten (100-400 €/Jahr) | 4.000 € | 6.000 € |
| CO2-Abgabe (ab 2025) | 800 € | 20.000 € |
| Gesamtkosten | 42.350 € | 106.400 € |
Die Wärmepumpe kostet über 20 Jahre 64.000 Euro weniger als die Gasheizung. Das ist nicht ein kleiner Unterschied. Das ist die Summe, mit der du dein Auto abbezahlen oder deine Dachsanierung finanzieren könntest.
Wann lohnt sich die Wärmepumpe nicht?
Die Wärmepumpe ist nicht die Lösung für jedes Haus. Es gibt drei Szenarien, in denen Gas noch sinnvoll sein kann:
- Sehr schlecht gedämmte Altbauten mit U-Wert über 1,5 W/m²K und hohe Vorlauftemperaturen (über 55°C). Hier arbeitet die Wärmepumpe ineffizient und kostet mehr Strom als nötig.
- Kein ausreichender Stromanschluss - viele alte Häuser haben nur 16 kW. Eine Wärmepumpe braucht mindestens 20-25 kW. Eine Erweiterung kostet 2.500 bis 4.000 Euro - das schlägt in die Kalkulation.
- Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ohne Eigenverantwortung - wenn der Vermieter die Heizung wechselt, hast du keinen Einfluss. Dann lohnt sich eine eigene Rechnung nicht.
Wenn du ein Haus hast, das nach EnEV 2014 gedämmt ist, oder du gerade eine Dämmung planst - dann ist die Wärmepumpe die einzige vernünftige Wahl. Und selbst bei schlechter Dämmung lohnt sie sich oft - wenn du die Vorlauftemperatur senkst und die Heizkörper tauscht. Viele alte Heizkörper funktionieren heute noch mit 45°C Vorlauf. Du musst sie nicht ersetzen. Du musst nur die Einstellung ändern.
Die größten Fehler bei der Umstellung
Die meisten Probleme nach dem Wechsel kommen nicht von der Technik - sondern von der Planung. Hier sind die drei häufigsten Fehler:
- Falsche Heizlastberechnung: 42% der Probleme entstehen, weil der Installateur die Wärmebedarfsrechnung nach DIN EN 12831 nicht korrekt macht. Ein zu kleines Gerät läuft ständig - und verbraucht zu viel Strom. Ein zu großes Gerät schaltet zu oft an - und verschwendet Energie.
- Kein Wärmepumpentarif: Viele Nutzer bleiben beim normalen Stromtarif. Dabei spart ein spezieller Wärmepumpentarif bis zu 12 Cent pro kWh. Das sind 600 Euro pro Jahr. Die Anmeldung dauert 14 Tage. Es ist kostenlos.
- Unzureichende Hydraulik: Die Rohrleitungen müssen auf niedrige Temperaturen ausgelegt sein. Wenn du alte Rohre mit hohen Temperaturen betreibst, verlierst du bis zu 20% der Effizienz. Ein Hydraulik-Check kostet 200 Euro - aber er spart dir 1.000 Euro pro Jahr.
Ein guter Installateur macht eine Heizlastberechnung - und zeigt dir, wie viel Strom du wirklich brauchst. Frag nach der DIN EN 12831. Wenn er sie nicht kennt, geh zu einem anderen.
Wie läuft die Umstellung ab?
Die Umstellung ist einfacher, als viele denken. Du brauchst:
- Eine Heizlastberechnung (ca. 350 Euro) - das ist Voraussetzung für die Förderung.
- Einen BAFA-zertifizierten Installateur - es gibt über 28.500 in Deutschland und Österreich.
- Eine Genehmigung - für Luft-Wasser-Wärmepumpen brauchst du oft nur eine Anzeige, keine Baugenehmigung.
- Die Installation - dauert 5 bis 10 Tage, je nach Dämmung und Aufwand.
- Die Förderantragstellung - du kannst den Antrag vor der Installation stellen. Die Auszahlung dauert 6 bis 12 Wochen.
Die Lieferzeiten sind noch lang - durchschnittlich 22 Wochen nach BAFA-Daten 2024. Plan frühzeitig. Wenn du im Frühjahr 2026 umstellen willst, solltest du jetzt den Antrag stellen.
Was sagen Nutzer wirklich?
Die Erfahrungen sind gemischt - aber überwiegend positiv. Auf Heizung.de berichtet „Hausbesitzer82“ von 1.200 Euro Jahresersparnis nach dem Wechsel. Auf Trustpilot haben Wärmepumpenanbieter 4,1 von 5 Sternen - 78% der positiven Bewertungen loben die niedrigen Heizkosten.
Aber es gibt auch Kritik: Ein Nutzer in Graz berichtete über Frostschäden an der Außeneinheit im Winter 2023/24. Das passiert, wenn die Wärmepumpe nicht richtig entleert wird oder der Standort zu windig ist. Ein guter Installateur wählt den Ort sorgfältig - und installiert eine Frostschutzautomatik.
Ein weiterer Punkt: Die Förderabwicklung ist manchmal langsam. Wer den Antrag nicht richtig ausfüllt, wartet monatelang. Deshalb: Lass dich von einem Experten helfen. Nicht von einem Verkäufer. Von einem Energieberater.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft ist klar. Ab 2029 ist die Installation neuer Gasheizungen in Deutschland und Österreich verboten - es sei denn, du hast keine Alternative. Die CO2-Abgabe steigt weiter. Die Strompreise sinken - durch Solar, Wind und Netzoptimierung. Bis 2040 könnte der Strompreis für Wärmepumpen auf 28 Cent pro kWh fallen. Der Gaspreis wird bei 18 Cent liegen - aber mit 180 Euro CO2-Abgabe pro Tonne wird er effektiv bei 35 Cent liegen.
Die Wärmepumpe ist nicht die perfekte Technik. Aber sie ist die einzige, die in 20 Jahren noch wirtschaftlich funktioniert. Gas ist eine Auslaufmodell - und wer heute noch darauf setzt, zahlt den Preis dafür.
Lohnt sich eine Wärmepumpe in einem alten Haus ohne Dämmung?
Ja, aber nur mit Anpassungen. Wenn dein Haus schlecht gedämmt ist, musst du die Vorlauftemperatur der Heizung senken - auf max. 45°C. Dafür brauchst du größere Heizkörper oder Fußbodenheizung. Die Heizlastberechnung zeigt, ob das reicht. In vielen Fällen ist es möglich. Die Energieeinsparung ist dann geringer, aber immer noch höher als bei Gas - besonders mit CO2-Abgabe und Biogaspflicht.
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe wirklich?
Das hängt von der Jahresarbeitszahl (JAZ) ab. Eine gute Luft-Wasser-Wärmepumpe hat eine JAZ von 3,5 bis 4,5. Das bedeutet: Für 1 kWh Strom bekommst du 3,5 bis 4,5 kWh Wärme. Bei 18.000 kWh Jahreswärmebedarf verbrauchst du dann etwa 4.000 bis 5.100 kWh Strom. Mit einem Wärmepumpentarif kostet das weniger als 1.600 Euro pro Jahr.
Kann ich meine alte Gasheizung einfach abschalten und eine Wärmepumpe einbauen?
Nein. Du musst die alte Heizung abmontieren und den Gasanschluss sicher abdichten. Außerdem brauchst du einen neuen Stromanschluss - oft mit 20-25 kW. Die Hydraulik muss auf niedrige Temperaturen umgerüstet werden. Das ist kein „Einstecken“ - das ist eine komplette Modernisierung. Ein Fachmann macht das in 5-10 Tagen.
Was kostet die Wartung einer Wärmepumpe?
Die Wartung kostet 100-300 Euro pro Jahr - deutlich weniger als bei einer Gasheizung (200-400 Euro). Die Wärmepumpe hat weniger bewegliche Teile. Wichtig ist nur: Lass sie alle 2-3 Jahre von einem zertifizierten Techniker prüfen. Sonst sinkt die Effizienz - und du verlierst Geld.
Ist eine Wärmepumpe laut?
Die Außeneinheit macht etwa 45-55 Dezibel - so laut wie ein Kühlschrank. In der Nacht ist sie leiser, weil sie langsamer läuft. Die Inneneinheit ist fast lautlos. Wenn du sie neben deinem Schlafzimmer installierst, wähle einen ruhigen Standort. Viele moderne Modelle haben Nachtmodus und Schalldämpfer - das ist Standard.
Was passiert, wenn der Strom ausfällt?
Ohne Strom funktioniert die Wärmepumpe nicht. In kalten Wintern ist das ein Risiko. Deshalb empfehlen Experten: Baue eine kleine Notstromversorgung ein - oder nutze eine Hybridlösung mit einem kleinen Gas-Brennwertgerät als Backup. Das ist teurer, aber sicher. In Österreich gibt es auch Förderung für Solarspeicher - das ist die beste Lösung.
Wenn du jetzt handelst, sparst du nicht nur Geld - du machst dein Haus zukunftsfest. Die Zeit läuft - nicht nur wegen der CO2-Preise, sondern weil die Förderung nicht ewig dauert. Die Wärmepumpe ist nicht die billigste Wahl heute. Aber sie ist die einzige, die morgen noch bezahlbar ist.
Kommentare (1)
Wellington Borgmann
Januar 17, 2026 AT 11:35Wärmepumpe ja aber nur wenn der Strom nicht ausfällt sonst friert man im Winter wie ein Fisch im Eis