Wenn Sie eine Renovierung planen, geht es nicht nur um Farbe, Boden oder neue Fenster. Der größte Feind Ihres Terminplans ist nicht das Wetter, nicht der Budgetüberhang - sondern die Materialverfügbarkeit. In Österreich, besonders in der Steiermark, ist es heute kein Ausnahmefall mehr, dass ein bestellter Fensterrahmen drei Wochen später ankommt - oder gar nicht. Ein Badezimmer-Fliesenlieferant meldet, dass die Lieferung aus Italien wegen Logistikengpässen verschoben wurde. Ein Handwerker sagt: "Ich hab’ zwar Zeit, aber kein Material." Das ist heute Realität.
Warum Lieferzeiten länger werden - und das bleibt
Es ist kein Zufall, dass Sie immer öfter von Verzögerungen hören. Die Gründe liegen nicht nur in der Pandemie, sondern in strukturellen Veränderungen. Die EU-Renovierungspflicht, die ab 2026 für viele Gebäude verbindlich wird, hat die Nachfrage nach Sanierungen massiv angeheizt. Gleichzeitig fehlen Handwerker:innen. In Graz hat ein Drittel der Kleinhandwerksbetriebe in den letzten drei Jahren keine neuen Mitarbeiter mehr einstellen können. Die alten Meister gehen in den Ruhestand, die Lehrlinge kommen nicht nach. Dazu kommt die globale Abhängigkeit von Rohstoffen. Holz aus Skandinavien, Kupfer aus Chile, Dämmmaterial aus Deutschland - alles hängt an Lieferketten, die durch geopolitische Spannungen, Zölle und Transportengpässe gestört werden. Selbst wenn ein Material verfügbar ist, muss es erst quer durch Europa transportiert werden. Und das dauert.Regionale Unterschiede: Was in Wien anders ist als in Graz
Nicht alle Regionen sind gleich betroffen. In Südösterreich, besonders in den Bezirken mit hohem Sanierungsbedarf wie Graz, Leoben oder Klagenfurt, sind die Lieferzeiten für Fenster, Dämmplatten und Badewannen durchschnittlich 2-4 Wochen länger als im Norden. Warum? Weil hier die Nachfrage höher ist und die Logistikzentren weiter weg liegen. In Wien oder Linz gibt es mehr Lagerkapazitäten, mehr Lieferfahrzeuge - und mehr Konkurrenz zwischen Händlern. In Graz hingegen ist der Markt kleiner, die Lieferwege länger, und die Handwerker sind überlastet. Auch die Jahreszeit zählt. In den Wintermonaten - also von November bis Februar - steigen die Lieferzeiten um 10-20%. Warum? Weil viele Handwerker in dieser Zeit Wartungsarbeiten machen, die Baustellen weniger aktiv sind, und die Logistik durch Schnee und Eis langsamer wird. Wenn Sie im Januar mit der Renovierung beginnen wollen, müssen Sie das mit einem Puffer von mindestens drei Wochen einplanen.Die richtige Planung: Vier Monate vorher anfangen
Die beste Strategie gegen unvorhergesehene Verzögerungen ist: früh planen. Und zwar nicht zwei Monate vorher - sondern vier. Warum? Weil Sie Zeit brauchen, um Materialien zu vergleichen, Angebote einzuholen und Lieferzeiten zu prüfen.- Monat 1: Erste Beratung mit einem Energieberater. Der hilft Ihnen nicht nur bei Fördermitteln, sondern auch bei der Auswahl von Materialien, die wirklich verfügbar sind.
- Monat 2: Materialien bestellen. Nicht nur die großen Teile wie Fenster oder Heizung - auch Kleinteile wie Dichtungen, Schrauben, Abflüsse. Diese werden oft übersehen, aber ohne sie läuft nichts.
- Monat 3: Handwerker buchen. Warten Sie nicht, bis alles da ist. Ein guter Handwerker ist oft sechs bis acht Wochen im Voraus ausgebucht. Buchen Sie früh, auch wenn die Materialien noch nicht da sind.
- Monat 4: Termin festlegen. Erst jetzt, wenn Sie die Lieferzeiten der wichtigsten Materialien kennen, können Sie einen realistischen Starttermin vereinbaren.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Familie in Graz wollte im März 2026 ihr Badezimmer sanieren. Sie haben im Januar angefangen, die Materialien bestellt, aber nicht auf die Lieferzeiten geachtet. Die neue Badewanne kam erst Ende April - und der Handwerker war schon für Mai gebucht. Ergebnis: Ein Monat Verzögerung, 1.200 Euro zusätzliche Kosten für Übernachtung und Unterkunft. Das hätte man vermeiden können.
Was Sie jetzt tun können: 5 konkrete Schritte
Sie können nicht alles kontrollieren - aber Sie können viel beeinflussen. Hier sind fünf Dinge, die Sie sofort tun können:- Prüfen Sie die Verfügbarkeit vor dem Bestellen. Rufen Sie beim Baumarkt an - nicht nur online schauen. Fragen Sie: "Wann kommt das Material wirklich an?" Und schreiben Sie die Antwort auf.
- Wählen Sie alternative Materialien. Wenn ein bestimmter Fliesen-Typ nicht verfügbar ist, fragen Sie: "Welche ähnlichen Produkte haben Sie aktuell auf Lager?" Oft gibt es gleichwertige Alternativen mit kürzeren Lieferzeiten.
- Verwenden Sie lokale Anbieter. Hornbach, Bauhaus oder regionale Baumärkte haben oft bessere Lagerbestände als Online-Händler. Sie liefern schneller, und die Rücksendungen sind einfacher.
- Verlangen Sie schriftliche Liefergarantien. Ein Handwerker oder Händler, der Ihnen eine Lieferfrist verspricht, sollte das auch schriftlich bestätigen. Ein kurzer Satz wie: "Lieferung der Badewanne bis 15. April 2026" reicht als Vertragselement.
- Planen Sie einen Puffer von 3-6 Wochen. Jeder Renovierungsplan braucht einen Sicherheitsabstand. Wenn alles perfekt läuft, ist das gut. Wenn nicht, haben Sie Zeit.
Die neue EU-Regel: Reparieren statt Ersetzen
Ab 31. Juli 2026 gilt in ganz Europa das Recht auf Reparatur. Das bedeutet: Hersteller müssen Ersatzteile für Haushaltsgeräte bis zu zehn Jahre nach Produktionsende bereitstellen. Für Waschmaschinen, Trockner, Heizungen und sogar Küchenspülen gilt das. Das ist ein großer Vorteil für Renovierungen, denn es bedeutet: Sie brauchen nicht unbedingt ein neues Gerät, wenn das alte noch funktioniert - nur eine neue Pumpe oder ein neues Dichtungssystem. Das verändert die Planung: Statt alles auszutauschen, können Sie gezielt reparieren. Das spart Kosten - und reduziert die Menge an Material, das Sie bestellen müssen. Ein alter Boiler kann mit einem neuen Thermostat und einer neuen Pumpe noch fünf Jahre halten. Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch logistisch klüger.
Was kommt nach 2026? Der Weg zur Standardisierung
Langfristig wird sich die Branche verändern. Experten sprechen von einer baldigen Standardisierung. Das bedeutet: Bauteile werden immer mehr gleich. Fenster, Türen, Dämmplatten - sie werden nach festen Maßen und Anforderungen produziert. Warum? Weil es einfacher ist, Lager zu füllen, Lieferketten zu steuern und Handwerker zu schulen. Wenn das passiert, werden Lieferzeiten kürzer, Preise stabiler, und Planung einfacher. Aber das kommt nicht morgen. Bis dahin bleibt: Planen, prüfen, vorbereiten.Was Sie nicht tun sollten
Vermeiden Sie diese drei Fehler - sie kosten Sie Zeit und Geld:- Nicht mit dem Handwerker sprechen, bevor Sie Materialien bestellt haben. Er sagt: "Das krieg ich hin." Aber er weiß nicht, ob das Material verfügbar ist.
- Alles online bestellen, ohne lokale Verfügbarkeit zu prüfen. Online ist oft günstiger - aber wenn es nicht ankommt, haben Sie kein Ersatz.
- Keinen Puffer einplanen. "Wir fangen am 1. April an!" - das ist ein Einladungsschreiben für Stress.
Fazit: Planen Sie wie ein Profi
Eine Renovierung ist kein spontanes Projekt. Sie ist ein komplexes Spiel aus Material, Zeit, Leuten und Geld. Wer heute erfolgreich renoviert, der plant sechs Monate im Voraus. Wer nur drei Monate plant, der hofft. Wer nur einen Monat plant, der leidet. Die gute Nachricht: Sie können es besser machen. Mit klugen Entscheidungen, frühzeitiger Planung und realistischen Erwartungen können Sie Ihre Renovierung termingerecht und stressfrei abschließen. Es braucht nicht mehr Geld - es braucht mehr Zeit. Und die sollten Sie sich jetzt nehmen.Wie lange dauern heute typische Lieferzeiten für Baumaterialien in Österreich?
Typische Lieferzeiten variieren stark: Fenster und Türen brauchen 4-8 Wochen, Dämmmaterial 2-6 Wochen, Fliesen 3-7 Wochen. In der Steiermark und anderen ländlichen Regionen sind die Zeiten oft länger als in Wien oder Linz. Besonders im Winter (November-Februar) können Lieferzeiten um 10-20% ansteigen.
Kann ich Fördermittel beantragen, bevor ich Materialien bestelle?
Ja, und das sollten Sie sogar tun. Fördermittel wie das Ökostrom-Förderprogramm oder die Wohnbauförderung müssen vor Vertragsabschluss beantragt werden. Sie brauchen eine detaillierte Baubeschreibung, aber nicht unbedingt die Bestellbestätigung. Ein guter Energieberater hilft Ihnen bei der Vorbereitung.
Soll ich Materialien online oder im Baumarkt bestellen?
Beides hat Vor- und Nachteile. Online ist oft günstiger, aber die Lieferzeiten sind unzuverlässiger. Im Baumarkt vor Ort (z. B. Hornbach, Bauhaus) können Sie die Verfügbarkeit direkt abfragen, das Material sofort abholen, und bei Problemen persönlich klären. Für wichtige Elemente wie Fenster, Heizung oder Badewannen empfiehlt sich der lokale Einkauf.
Was bedeutet das Recht auf Reparatur ab 2026 für meine Renovierung?
Ab 31. Juli 2026 müssen Hersteller Ersatzteile für Haushaltsgeräte bis zu zehn Jahre nach Produktionsende bereitstellen. Das bedeutet: Sie müssen nicht gleich eine ganze Waschmaschine ersetzen, wenn nur die Pumpe defekt ist. Das spart Kosten, reduziert Abfall - und macht Ihre Renovierung flexibler, denn Sie können gezielt reparieren statt austauschen.
Wie finde ich einen zuverlässigen Handwerker, wenn alle ausgebucht sind?
Suchen Sie nicht nur nach dem billigsten Angebot. Fragt bei regionalen Handwerkerverbänden nach - etwa der Gewerkschaft Bau und Holz. Prüfen Sie Referenzen, und bitten Sie um schriftliche Zusage für den Starttermin. Ein guter Handwerker gibt Ihnen einen Termin, auch wenn er noch nicht alle Materialien hat - er plant dann die Arbeit in Phasen. Warten Sie nicht, bis alles da ist - beginnen Sie mit der Vorbereitung.