Stellen Sie sich vor: Sie drehen den Hahn auf - und sofort fließt warmes Wasser. Kein Warten, kein kaltes Wasser, das in die Abflussrinne läuft. Das ist kein Luxus, sondern der Standard, den eine richtig eingebaute Warmwasserzirkulation bietet. In vielen deutschen Haushalten wird immer noch unnötig viel Wasser verschwendet, nur weil das Warmwasser erst nach 30 Sekunden oder länger ankommt. Dabei lässt sich das mit einer einfachen Technik vermeiden - und das nicht nur komfortabler, sondern auch deutlich sparsamer.
Warum Warmwasserzirkulation sinnvoll ist
Ohne Zirkulation müssen Sie jedes Mal warten, bis das kalte Wasser aus der Leitung verdrängt ist und das Warme kommt. Das sind durchschnittlich 15 bis 60 Sekunden pro Nutzung - und das bei jedem Waschbecken, jeder Dusche, jeder Spüle. Pro Vorgang landen bis zu 5 Liter kaltes Wasser im Abfluss. Das sind pro Jahr bei drei Personen im Haushalt leicht über 5.000 Liter. Und das ist nur der Anfang. Denn das Wasser, das Sie verschwenden, ist nicht nur Wasser. Es ist auch Energie. Denn dieses kalte Wasser muss erst erwärmt werden, wenn es endlich ankommt. Die Heizung läuft also unnötig, nur weil das System schlecht geplant ist. Laut einer Studie des ift Rosenheim (2022) kann eine gut installierte Zirkulation bis zu 15.000 Liter Wasser pro Haushalt und Jahr einsparen. Das entspricht etwa 1.500 Duschvorgängen. Aber es geht nicht nur um Wasser. Auch die Hygiene ist ein entscheidender Faktor. Legionellen, gefährliche Bakterien, die schwere Lungenentzündungen verursachen können, vermehren sich besonders gut in Warmwasserleitungen, wenn die Temperatur unter 50°C sinkt. Die Norm DIN 1988 und das DVGW-Arbeitsblatt W 553 schreiben deshalb vor: In der Zirkulationsleitung muss die Temperatur mindestens 55°C betragen. Nur so bleibt das Wasser sicher.Wie eine Warmwasserzirkulation funktioniert
Ein klassisches Warmwassersystem hat drei Hauptteile: den Speicher, den Wärmeerzeuger (z. B. Gas- oder Elektroboiler, Wärmepumpe) und die Leitungen zu den Zapfstellen. Ohne Zirkulation fließt das Wasser nur in eine Richtung - vom Speicher zur Dusche, dann stoppt es. Bei einer Zirkulationsanlage wird eine zweite Leitung hinzugefügt: die Rücklaufleitung. Sie verbindet die entfernteste Zapfstelle (meist das Waschbecken im Bad) wieder mit dem Warmwasserspeicher. In dieser Leitung arbeitet eine kleine Pumpe, die das Wasser kontinuierlich im Kreis laufen lässt. So bleibt es warm - und wenn Sie den Hahn aufdrehen, kommt sofort warmes Wasser. Die Pumpe muss in die Rücklaufleitung integriert werden, nicht in die Vorlaufleitung. Das ist ein häufiger Fehler bei Eigenheimern. Die Pumpe saugt das abgekühlte Wasser aus der Leitung zurück zum Boiler, wo es wieder aufgeheizt wird. So entsteht ein geschlossener Kreislauf.Die richtigen Komponenten wählen
Nicht jede Zirkulation ist gleich. Es gibt zwei Haupttypen: kontinuierlich laufende Systeme und bedarfsgesteuerte Systeme. Kontinuierliche Systeme laufen 24 Stunden am Tag. Sie sind einfach und billig zu installieren, aber sie verbrauchen viel Energie. Die Pumpe läuft, ob jemand duscht oder nicht. Das ist ineffizient - und teuer. Moderne Systeme dagegen reagieren auf Bedarf. Sie nutzen Temperatursensoren, Zeitprogramme oder sogar Bewegungsmelder. Wenn niemand im Haus ist, schaltet sich die Pumpe ab. Wenn Sie morgens aus dem Bett steigen, aktiviert sich die Zirkulation kurz vor Ihrer Dusche. Grundfos’ Alpha3-Pumpe verbraucht bis zu 80% weniger Strom als alte Modelle - und das ohne Komfortverlust. Auch die Steuerung ist entscheidend. Ein programmierbares Thermostatventil erlaubt eine Nachtabsenkung. Das heißt: In der Nacht oder bei Abwesenheit sinkt die Temperatur der Zirkulationsleitung auf 45°C. Das reicht, um Legionellen zu unterdrücken, ohne unnötig zu heizen. Laut EWE (2023) reduziert das den Energieverbrauch um bis zu 10%. Für kleinere Häuser oder Einzelzweige ist der Miller Zirkulationsregler eine gute Lösung. Er wird an der entferntesten Zapfstelle installiert - meist am Waschbecken - und regelt nur diese Leitung. Ein einziger Regler reicht, wenn die Leitung nicht zu lang ist. Für größere Häuser mit mehreren Bädern oder Stockwerken braucht man ein ganzheitliches System wie das WZS 100/75 von AFRISO, das mehrere Zonen gleichzeitig steuert.
Installation: Was Sie beachten müssen
Eine Zirkulation ist kein DIY-Projekt für Anfänger. Sie muss nach DIN 1988 und DVGW W 553 berechnet und installiert werden. Wer das nicht macht, riskiert ineffiziente Systeme, hohe Kosten und sogar Gesundheitsgefahren. Wichtigste Regeln:- Die Zirkulationsleitung muss an der entferntesten Zapfstelle beginnen - sonst bleibt das Wasser am Ende kalt.
- Die Pumpe gehört in die Rücklaufleitung, nicht in die Vorlaufleitung.
- Mindesttemperatur in der Zirkulation: 55°C - sonst wachsen Legionellen.
- Alle Rohre müssen gut isoliert sein. Unzureichende Isolierung erhöht den Energieverbrauch um bis zu 25%.
- Regulierventile müssen korrekt platziert werden: thermostatische Ventile an den vorderen Leitungen, manuelle Ventile an den letzten Strängen.
Kommentare (2)
Philipp Cherubim
Februar 1, 2026 AT 05:22Endlich mal ein vernünftiger Artikel! Ich hab vor 2 Jahren meine Zirkulation nachgerüstet – seitdem kein kaltes Wasser mehr. Und die Stromrechnung ist trotz Pumpe sogar gesunken. 😎
Elmar Idao
Februar 2, 2026 AT 08:45Die DIN 1988 und das DVGW-Arbeitsblatt W 553 sind unbedingt einzuhalten. Eine Temperatur von mindestens 55 °C in der Zirkulationsleitung ist kein Vorschlag, sondern eine gesetzliche Vorgabe zur Legionellenprävention. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig.