Stell dir vor, du spülst deine Toilette mit dem Wasser, das eben noch aus deiner Dusche geflossen ist. Klingt unwirklich? Ist es aber nicht. In Österreich und Deutschland wird Grauwasser immer häufiger im Haushalt genutzt - und zwar nicht nur aus Umweltgründen, sondern weil es Grauwasser langfristig Geld spart. Doch lohnt sich das wirklich für dich? Hier kommt der konkrete Rechner, ohne Schnickschnack, nur die Zahlen, die zählen.
Was ist Grauwasser - und was nicht?
Grauwasser ist das Abwasser aus Dusche, Waschbecken, Waschmaschine und Spülmaschine. Alles, was nicht mit Fäkalien in Kontakt kommt. Toilettenwasser? Das ist Schwarzwasser - und das darf nicht recycelt werden. Es ist kein Trick, kein Geheimrezept. Es ist Technik, die seit den 90er-Jahren in Deutschland entwickelt wurde. Heute funktioniert sie zuverlässig: Ein System sammelt das Wasser, filtert es, speichert es und leitet es zurück - etwa zur Toilettenspülung oder für den Garten.
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Österreich verbraucht rund 160 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Etwa 40 % davon, also 64 m³, könnten durch Grauwasser ersetzt werden - wenn die Anlage richtig dimensioniert ist. Das ist nicht Theorie. Das ist messbar. Und es hat Konsequenzen für deine Rechnung.
Wie viel sparest du wirklich?
Die Einsparung kommt von zwei Seiten: weniger Trinkwasser und weniger Abwasser. Denn wenn du Grauwasser nutzt, fließt es nicht in die Kanalisation. Und das bedeutet: Du zahlst weniger Abwassergebühren. Das ist der entscheidende Punkt, den viele vergessen.
Ein Beispiel: In Wien betragen die Trinkwasserkosten 2,10 Euro pro Kubikmeter, die Abwassergebühren 2,30 Euro. Das macht 4,40 Euro pro m³. In Graz, wo ich lebe, sind es 2,05 Euro und 2,25 Euro - also 4,30 Euro. In Berlin? 4,75 Euro. Je teurer das Wasser, desto schneller lohnt sich die Anlage.
Wie viel kannst du sparen? Ein Haushalt mit 120 Litern pro Person und Tag (das ist durchschnittlich) erzeugt etwa 44 m³ Grauwasser pro Jahr. Wenn du 70 % davon nutzt - für Toilettenspülung und Garten - sparst du 31 m³ Trinkwasser und 31 m³ Abwasser. Bei 4,30 Euro pro m³: 133 Euro pro Jahr.
Das klingt nicht nach viel? Warte ab. In einem Haushalt mit fünf Personen, einem großen Garten und hohen Wasserpreisen - wie in München - kannst du bis zu 65 m³ sparen. Das sind über 270 Euro pro Jahr. Und das ohne Regenwasser. Nur mit dem Wasser, das du sonst einfach wegspülst.
Was kostet eine Grauwasseranlage?
Jetzt kommt der Knackpunkt: Die Investition. Eine komplette Anlage kostet zwischen 5.000 und 12.000 Euro. Aber das ist nicht gleich gleich. Es gibt drei Typen:
- Minimalanlage (Toilette nur): 3.800-5.500 Euro. Nur für die Spülung. Ideal für kleine Haushalte oder Altbauten mit wenig Platz.
- Mittelklasse (Toilette + Garten): 7.000-9.500 Euro. Die meisten Anlagen in neuen Häusern sind so ausgestattet. Mit Speicher von 300-500 Litern.
- High-End (vollautomatisch mit App): 10.000-12.000 Euro. Mit IoT-Steuerung, Filterwechsel-Erinnerung, Echtzeit-Verbrauchsanzeige. Zum Beispiel das System von Grundfos ‘AquaCycle Connect’.
Die Installation dauert 3-5 Tage. Wenn du selbst die Rohre verlegst, kannst du bis zu 30 % sparen. Aber: Die Technik muss von einem Fachmann eingebaut werden. Sonst läuft dir das Wasser in den Keller.
Wartung: Das unterschätzte Kostenfaktor
Ein System ist kein Auto, das du einmal im Jahr zur Inspektion bringst. Es braucht Pflege. Jedes halbe Jahr musst du die Vorfilter wechseln - das kostet 60-85 Euro. Jährlich kommt eine Systemprüfung dazu: 150-190 Euro. Das macht 270-300 Euro pro Jahr.
Das ist nicht billig. Aber es ist notwendig. Wenn du das vernachlässigst, riecht es nach faulen Eiern. Oder die Pumpe geht kaputt. Die meisten Nutzer berichten: Die Wartung ist einfacher als gedacht. Aber sie muss stattfinden. Sonst wird die Anlage zur teuren Dekoration.
Amortisationszeit: Wann zahlst du dich aus?
Jetzt rechnen wir zusammen: Du sparst 130-270 Euro pro Jahr. Du zahlst 300 Euro Wartung. Das bedeutet: Dein Nettoeinsparung liegt zwischen -170 und +170 Euro pro Jahr.
Was? Negativ? Ja - wenn du nur aufs Geld schaust. Aber du musst die Anschaffungskosten mit einbeziehen. Bei 7.500 Euro Anschaffung und 170 Euro Nettoeinsparung pro Jahr: 44 Jahre Amortisationszeit. Das ist zu lang.
Aber warte. Das ist der falsche Blickwinkel.
Die Wahrheit ist: Die Einsparung steigt. Die Wasserpreise steigen jedes Jahr um 3-4 %. In 10 Jahren könnte ein Kubikmeter Trinkwasser 6 Euro kosten. Dann sparst du 180 Euro pro Jahr - netto 180 minus 300 Wartung? Noch immer negativ? Nein. Weil die Anlage nach 15 Jahren noch läuft. Und du hast keine neuen Wasserleitungen gebaut. Du hast eine Investition in die Zukunft getätigt.
Prof. Dr. Thomas Eichert von der TU Dresden sagt es klar: „Grauwasseranlagen lohnen sich nur bei hohen Wasserpreisen und hohem Verbrauch.“ Wenn du mehr als 150 Liter pro Person und Tag verbrauchst - also eine große Familie, ein großes Haus, viel Garten - dann ist es eine kluge Investition. Wenn du allein lebst und nur zwei Mal pro Woche duscht? Dann nicht.
Grauwasser vs. Regenwasser vs. Spararmaturen
Warum nicht einfach Regenwasser nutzen? Regenwasseranlagen kosten 4.000-9.000 Euro - ähnlich wie Grauwasser. Aber sie funktionieren nur, wenn es regnet. In trockenen Sommern - wie wir sie jetzt immer öfter haben - ist das Wasser weg. Grauwasser? Das kommt jeden Tag. Duschen, waschen, spülen - das passiert unabhängig vom Wetter.
Und was ist mit Spararmaturen? Eine neue Brause mit 8 Liter pro Minute statt 15 kostet 80 Euro. Sie spart 30-40 % Wasser. Das ist billig. Und effektiv. Aber sie spart nur Trinkwasser. Nicht Abwasser. Du zahlst immer noch volle Abwassergebühren. Grauwasser spart beides.
Ein Gartenwasserzähler? 200 Euro. Er senkt nur die Abwassergebühren für den Garten. Aber du musst immer noch Trinkwasser dafür nutzen. Grauwasser nutzt das, was du ohnehin verbrauchst.
Wer profitiert wirklich?
Es gibt drei Typen, für die sich Grauwasser lohnt:
- Neubauten mit großem Garten: Du baust neu, du planst die Anlage von Anfang an ein. Die Kosten sind dann 20-30 % niedriger. Und du hast einen Garten, der im Sommer 1.000 Liter Wasser braucht - das kannst du mit Grauwasser decken.
- Haushalte mit 4+ Personen: Je mehr Menschen, desto mehr Grauwasser. Ein Haushalt mit fünf Personen erzeugt doppelt so viel wie einer mit zwei.
- Regionen mit hohen Wasserpreisen: Wien, München, Berlin, Hamburg. Wo Wasser teuer ist, lohnt sich jede Einsparung.
Wer sollte es lassen? Alleinstehende, kleine Wohnungen, Häuser ohne Garten, Regionen mit niedrigen Wasserpreisen wie Teile von Sachsen oder Thüringen. Und Familien, die ohnehin schon sparsam sind. Dann ist eine neue Brause oder eine Spülmaschine mit Eco-Programm die bessere Wahl.
Was sagt die Realität? Nutzererfahrungen
Ein Nutzer aus Graz schreibt auf HausGarten.net: „7.200 Euro investiert. 50 m³ Wasser gespart. 237 Euro Einsparung. Die Wartung ist teurer als erwartet - aber ich spüle meine Toilette mit dem Wasser, das ich geduscht habe. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“
Ein anderer auf Reddit: „Alle 6 Monate Filterwechsel. 85 Euro. Jährliche Inspektion: 190 Euro. Die Anlage läuft, aber ich habe nie gedacht, dass sie so viel Pflege braucht.“
Die Zahlen zeigen: 78 % der Nutzer finden die Anlage technisch zuverlässig. 62 % sagen: Die Einsparung ist geringer als versprochen. Aber 87 % sagen: Ich fühle mich unabhängiger von Wasserknappheit. Und das ist es, was zählt.
Die Zukunft: Was kommt 2026?
Die Bundesregierung plant ab 2026 eine Förderung von bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr für Grauwassersysteme. In Wien und Graz gibt es schon Zuschüsse von bis zu 1.500 Euro. Bayern und Baden-Württemberg fördern Anlagen mit bis zu 2.000 Euro. Das senkt die Amortisationszeit um 2-3 Jahre.
Die Technik wird smarter. Systeme wie ‘AquaSmart Control’ zeigen dir in der App: „Heute hast du 120 Liter Grauwasser erzeugt. Du hast 95 Liter für die Toilette genutzt. Dein Speicher ist zu 80 % gefüllt.“ Du siehst, wie du sparest - live.
Prognosen sagen: Bis 2030 wird sich die Marktdurchdringung verdoppeln. Weil Wasser knapper wird. Weil die Preise steigen. Weil wir nicht mehr einfach so Wasser verschwenden können.
Was solltest du tun?
Wenn du planst, dein Haus zu sanieren oder neu zu bauen: Prüfe, ob eine Grauwasseranlage Sinn macht. Rechne deine Zahlen:
- Wie viele Personen leben bei dir?
- Verbraucht ihr mehr als 150 Liter pro Person und Tag?
- Hast du einen Garten, der bewässert werden muss?
- Wie hoch sind deine Wasser- und Abwassergebühren?
- Bist du bereit, 300 Euro pro Jahr für Wartung auszugeben?
Wenn du bei mindestens drei Fragen mit „Ja“ antwortest - dann spricht vieles für eine Anlage. Nicht nur aus Geldgründen. Sondern weil du etwas tust, das über dich hinausgeht. Weil du Wasser nicht mehr als unendlich betrachtest. Weil du weißt: Jeder Liter, den du wiederverwendest, ist ein Liter, den du der Natur gibst.
Es ist keine Revolution. Es ist eine einfache, kluge Entscheidung. Und sie beginnt mit einer Frage: Was kostet es, Wasser zu verschwenden - und was kostet es, es zu sparen?
Lohnt sich Grauwassernutzung in einem kleinen Haus mit zwei Personen?
In den meisten Fällen nein. Ein Zweipersonenhaushalt erzeugt nur etwa 20-25 m³ Grauwasser pro Jahr. Selbst bei optimaler Nutzung sparst du maximal 15-20 m³ Trinkwasser. Das sind bei durchschnittlichen Preisen 60-85 Euro pro Jahr. Die Wartungskosten liegen bei 270-300 Euro. Du zahlst also mehr für die Anlage, als du sparst. Besser: Spararmaturen installieren oder einen Gartenwasserzähler nutzen.
Kann ich eine Grauwasseranlage nachträglich in ein altes Haus einbauen?
Ja, aber es ist komplexer und teurer als im Neubau. Du musst separate Rohre für Grauwasser legen - das bedeutet Wandöffnungen, Bodenarbeiten, eventuell einen neuen Pumpenraum. Die Kosten steigen um 20-40 %. Die Anlage sollte idealerweise im Keller oder in einem Abstellraum installiert werden. Wenn du keine Platzreserve hast, ist es oft nicht sinnvoll. Prüfe vorher mit einem Fachmann, ob die technischen Voraussetzungen gegeben sind.
Welche Reinigungsmittel darf ich mit Grauwasseranlage verwenden?
Nur biologisch abbaubare, phosphatfreie Produkte. Herkömmliche Waschmittel, Spülmittel mit Konservierungsstoffen oder Chlorbleiche schädigen die Filter und Bakterien in der Aufbereitung. Sie verstopfen die Membranen und führen zu Gerüchen. Lies die Etiketten: „biologisch abbaubar“, „ohne Phosphate“, „für Grauwasser geeignet“. Marken wie Ecover, Sonett oder Frosch sind empfohlen. Vermeide Duftstoffe - sie stören die biologische Reinigung.
Muss ich die Anlage im Winter abstellen?
Nein, wenn sie richtig installiert ist. Die Speicherbehälter und Rohre müssen frostgeschützt sein - also im Haus oder im Keller. Wenn die Anlage im Freien steht, muss sie abgepumpt und entleert werden. Die meisten modernen Systeme haben eine automatische Frostschutzfunktion. Prüfe die Bedienungsanleitung deines Herstellers. Ein Frostschutz ist nicht optional - er ist Pflicht, sonst bricht die Pumpe.
Gibt es Förderungen in Österreich?
Ja, aber nicht bundesweit. In Wien gibt es einen Zuschuss von bis zu 1.500 Euro für Grauwasseranlagen im Neubau. In Graz und anderen Gemeinden sind Förderungen regional unterschiedlich - prüfe bei deiner Stadtwerke oder Gemeinde. In Tirol und Vorarlberg gibt es oft Förderungen über das Landesprogramm „Wasser sparen“. In Niederösterreich ist es eher selten. Die Förderung deckt meist 20-30 % der Kosten. Die Anträge müssen vor der Installation gestellt werden - nicht danach.
Wie lange hält eine Grauwasseranlage?
Die technische Lebensdauer liegt bei 15-20 Jahren. Die Pumpen und Filter müssen regelmäßig ausgetauscht werden - das ist kein Defekt, das ist Normalbetrieb. Der Speicherbehälter aus Kunststoff oder Edelstahl hält oft länger als 25 Jahre, wenn er nicht beschädigt wird. Die Elektronik (Sensoren, Steuerung) hat eine kürzere Lebensdauer von 8-12 Jahren. Wenn du die Wartung nicht vernachlässigst, läuft die Anlage zwei Jahrzehnte lang. Sie ist eine Investition für die nächste Generation.
Kann ich Grauwasser zum Waschen von Autos nutzen?
Technisch ja - aber nicht empfohlen. Die Wasserqualität entspricht Klasse D nach DIN 19650. Das ist für Toilettenspülung und Garten okay. Für Auto waschen ist es nicht ideal: Rückstände von Shampoos oder Seifen können die Lackierung angreifen. Außerdem ist es unhygienisch, wenn das Wasser in der Leitung stagniert. Besser: Nutze Regenwasser für das Auto. Es ist sauberer und kostenlos.
Was passiert, wenn die Anlage ausfällt?
Die Anlage hat immer eine Notfall-Überleitung zum Trinkwasser. Wenn die Pumpe ausfällt oder der Speicher leer ist, fließt automatisch Trinkwasser nach. Du verlierst nur die Einsparung - nicht die Funktion. Die Toilette spült weiter. Der Garten wird bewässert. Du merkst es nur daran, dass dein Wasserzähler plötzlich wieder schneller dreht. Ein Alarm auf der App oder ein Lautsprecher warnt dich. Du hast Zeit, einen Techniker zu rufen - aber kein Notstand.
Kommentare (2)
Nils Seitz
Februar 2, 2026 AT 23:55nee das ganze grauwasserzeugnis is nur ne geldwäsche für die sanitärindustrie. wer braucht das? ich spül doch mit dem wasser aus der flasche. und die wasserpreise steigen doch eh nur weil die regierung uns abzocken will. #keinwasserspaß
Franziska Fotos
Februar 3, 2026 AT 03:01HAHAHAHA DAS IST EINE VERSCHWÖRUNG VON DER EU UND DEN WASSERWERKEN! DIE WOLLEN DASS WIR ALLE WASSERANLAGEN KAUFEN DAMIT SIE UNS MIT CHIPPS VERSEHEN KÖNNEN! DIE SIND SCHON IN MEINER TOILETTE! ICH HABE GESTERN EIN BLINKENDES LÄMPCHEN GESCHAUT! #FREIHEITFÜRDASWASSER