Wenn du dir eine Küche oder ein Bad einrichtest, stehst du vor einer Entscheidung, die länger hält als dein letzter Wohnungswechsel: Naturstein. Granit, Marmor und Schiefer - drei Steine, die sich nicht nur optisch unterscheiden, sondern auch in Haltbarkeit, Pflege und Preis radikal voneinander abheben. Kein Stein ist wie der andere. Keine Arbeitsplatte, kein Boden, kein Waschtisch ist identisch. Das ist ihr größter Vorteil - und zugleich ihre größte Fallgrube.
Granit: Der unerschütterliche Alltagsheld
Granit ist der am häufigsten gewählte Naturstein für Küchenarbeitsplatten in Deutschland. Warum? Weil er einfach nicht kapituliert. Er hält Kratzer von Messern, heiße Töpfe und Tropfen Zitronensaft aus. Ein Test des Instituts für Bautechnik Berlin zeigte: Granit saugt nach 24 Stunden nur 0,2 % Flüssigkeit ein. Marmor nimmt fast 15-mal mehr auf. Das bedeutet: Keine Flecken, keine Verfärbungen, keine Angst vor dem Abwasch.
Die Härte von Granit liegt zwischen 6 und 7 auf der Mohs-Skala. Das ist härter als Stahl. Ein Messer kratzt nicht. Ein Topf fällt drauf - kein Problem. Die Dichte von 2,6 bis 2,8 g/cm³ macht ihn schwer, stabil und beständig gegen Temperaturschwankungen. Er hält bis zu 800°C aus. Das ist kein Marketing-Gag - das ist Geologie.
Die Preise liegen zwischen 95 und 140 €/m² inklusive Verlegung. Das ist teurer als Keramik, aber günstiger als Marmor. Und er hält. Experten schätzen seine Lebensdauer auf über 100 Jahre, wenn er richtig imprägniert wird. Das braucht nur alle 12 bis 18 Monate - und kostet 8 bis 12 €/m². Ein kleiner Preis für eine Arbeitsplatte, die deine Kinder, deine Enkel und vielleicht sogar deine Urenkel nutzen.
Professionelle Küchenplaner geben Granit eine Bewertung von 92 % für Küchen. Kein anderer Stein kommt auch nur annähernd ran. Die Zeitschrift „Bauwelt“ vergab 4,7 von 5 Punkten. Auf Houzz.de hat Granit 4,3 Sterne bei über 1.200 Bewertungen. Die häufigste Erfahrung: „Meine Granitküche seit acht Jahren - keine sichtbaren Spuren.“
Marmor: Schönheit mit Pflegeaufwand
Marmor ist der Star der Instagram-Küche. Weiß, mit feinen Adern, glänzend, edel. Aber er ist kein Alltagsheld. Er ist ein Kunstwerk - und Kunstwerke brauchen Schutz.
Seine Härte liegt nur bei 3 bis 4. Ein Löffel, ein Glas, ein Tropfen Essig - schon entsteht eine matte Stelle. Marmor reagiert auf Säuren. Ein pH-Wert unter 6 - das ist schon Apfelsaft oder Zitronensaft - führt zu Aufrauung. 87 % der Nutzer berichten von Ätzstellen, wenn sie nicht aufpassen. Das ist kein Fehler der Qualität. Das ist Natur.
Die Dichte ist ähnlich wie bei Granit - 2,5 bis 2,7 g/cm³. Aber er ist poröser. Er saugt Flüssigkeiten stärker auf: 2,8 % in 24 Stunden. Das ist ein Risiko. Flecken bleiben. Und wenn sie einmal drin sind, sind sie fast nicht mehr rauszuholen. Die Reparatur einer beschädigten Marmorplatte kostet durchschnittlich 120 € pro Stelle.
Die Preise liegen bei 120 bis 180 €/m². Das ist teuer. Und die Pflege ist teurer. Du musst ihn alle 6 bis 12 Monate imprägnieren - mit 12 bis 18 €/m². Das ist doppelt so oft wie bei Granit. Und wenn du es vergisst? Dann kommt der Schaden. Der Natursteinrestaurator Michael Brenner sagt: „Ohne regelmäßige Imprägnierung führt Marmor im Bad nach fünf Jahren zu irreversiblen Schäden.“
Aber er hat einen Vorteil: Er ist atemberaubend schön. Und moderne Imprägnierungen von Lithofin erhöhen die Säurebeständigkeit um 60 %. Das hilft. Aber es ersetzt nicht die Vorsicht. Marmor ist kein Material für Familien mit Kindern, die ständig Saft trinken. Er ist ideal für Wohnzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer mit geringer Nutzung - oder für Menschen, die bereit sind, ihn zu verwöhnen.
Schiefer: Der ruhige Star im Bad
Schiefer ist der unterschätzte Kandidat. Er ist nicht so glänzend wie Marmor, nicht so hart wie Granit - aber er hat eine Eigenschaft, die keiner der anderen hat: Wärme.
Die Wärmeleitfähigkeit von Schiefer liegt bei 0,8 bis 1,2 W/m·K. Das bedeutet: Im Winter fühlt er sich 2 bis 3 °C wärmer an als keramische Fliesen. Für Badezimmerböden ist das ein großer Vorteil. Du gehst barfuß hinein - und es fühlt sich an, als wäre der Boden warm. Kein kalter Stich. Kein Zittern.
Er ist rutschfest. Perfekt für Badezimmer mit Kindern oder älteren Menschen. Die Kundenbewertungen auf Trustpilot sind hoch: 4,1 Sterne bei über 700 Bewertungen. „Ideal für Badezimmerböden mit Kindern“, schreibt eine Nutzerin.
Die Härte liegt bei etwa 5 auf der Mohs-Skala. Er ist härter als Marmor, aber weicher als Granit. Er ist porös - und das kann zum Problem werden. Bei 23 % der Nutzer treten Flecken auf, besonders bei hellen Ausführungen. Die Lösung? Imprägnierung. Aber nicht so oft wie bei Marmor. Alle 18 bis 24 Monate reicht. Und es kostet nur 6 bis 10 €/m².
Die Preise liegen zwischen 80 und 130 €/m². Das macht ihn günstiger als Marmor und fast so günstig wie Granit. Die neue Generation von Schieferfliesen hat eine präzisere Spalttechnik - die Unebenheiten sind um 40 % reduziert. Das erleichtert die Verlegung. Aber: Die Farbnuancen zwischen Lieferungen können unterschiedlich sein. 27 % der negativen Bewertungen klagen darüber. Deshalb: Bestelle immer mehr als du brauchst. Und prüfe alle Platten vor der Verlegung.
Die Verlegung: Nicht für Heimwerker
Naturstein verlegen ist kein DIY-Projekt. Es ist ein Handwerk. Die Fliesen müssen auf einem absolut ebenen Untergrund liegen. Schon ein Millimeter Unebenheit kann später zu Rissen führen. Die Verlegung dauert 30 bis 50 % länger als bei Keramik. Für eine 20 m² Küche brauchst du 3 bis 5 Tage. Und die Kosten für den Profi? Sie sind in den Preisen bereits enthalten - aber du musst ihn finden.
Ein seriöser Verleger hat mindestens zwei Jahre Ausbildung im Natursteinbereich. Er weiß, wie man den Stein richtig schneidet, wie man die Fugen füllt, wie man den Untergrund vorbereitet. Laien machen oft den Fehler: Sie denken, „es ist doch nur Stein“. Aber Stein hat eine Seele. Er reagiert auf Feuchtigkeit, Temperatur, Druck. Und er bricht, wenn man ihn falsch behandelt.
Die Pflege: Was du auf keinen Fall tun darfst
Die häufigsten Fehler sind einfach - und teuer.
- Marmor mit Essig oder Zitronenreiniger säubern? Das ist wie Sandpapier auf der Oberfläche. 41 % der Nutzer haben dadurch irreparable Schäden.
- Schiefer ohne Fugenabstand verlegen? Das führt bei 29 % der Fälle zu Schimmel unter den Fugen. Die Fugen müssen offen bleiben - und regelmäßig gereinigt werden.
- Granit mit Haushaltsreinigern putzen? Das ist meistens okay - aber nur, wenn sie pH-neutral sind. Alkohol, Ammoniak, Bleichmittel? Nicht empfohlen.
Die richtige Pflege ist einfach: Einmal pro Woche mit klarem Wasser und einem weichen Tuch. Keine Scheuerpulver. Keine aggressiven Chemikalien. Und regelmäßig imprägnieren - je nach Stein, wie oben beschrieben.
Was ist der richtige Stein für dich?
Wenn du eine Küche willst, die jeden Tag überlebt - wähle Granit. Wenn du ein Bad hast, das du jeden Morgen mit barem Fuß betreten willst - wähle Schiefer. Wenn du ein Wohnzimmer oder ein Schlafzimmer mit Eleganz verschönern willst - und bereit bist, auf die Pflege zu achten - dann ist Marmor eine Option.
Es gibt keinen „besten“ Stein. Es gibt nur den richtigen Stein für deine Lebensweise. Wer schnell putzt, wer wenig Zeit hat, wer Kinder hat - der nimmt Granit. Wer Wert auf Ästhetik legt und bereit ist, zu investieren - der nimmt Marmor. Wer Wärme und Rutschsicherheit will - der nimmt Schiefer.
Und wenn du dir unsicher bist? Gehe zu einem seriösen Händler. In NRW gibt es Unternehmen mit über 300 Steinarten in Ausstellungsräumen. Die Beratung ist kostenlos. Du kannst die Steine anfassen, spüren, sehen, wie sie unter Licht wirken. Kein Foto, keine Website ersetzt das.
Die Zukunft: Nachhaltigkeit und Preis
Naturstein ist nachhaltiger als viele denken. Im Vergleich zu Feinsteinzeug hat er eine 30 % geringere CO2-Bilanz. Und er hält. Und hält. Und hält. Immobilien mit echtem Naturstein im Innenbereich haben einen Wertvorteil von 4,7 %, wie eine Studie der Uni Kassel zeigt.
Aber die Preise steigen. Ab 2025 verschärft die EU die Zertifizierungen für Natursteinimporte. Das wird die Preise um 8 bis 12 % erhöhen. Wer jetzt plant, spart später. Und wer sich für Granit oder Schiefer entscheidet, investiert nicht nur in eine Oberfläche - sondern in eine Lebensdauer, die über Generationen geht.
Ist Marmor für die Küche geeignet?
Marmor ist technisch möglich, aber nicht empfehlenswert für Küchen mit häufiger Nutzung. Er ist empfindlich gegen Säuren wie Zitronensaft, Essig oder Wein und zeigt nach kurzer Zeit Ätzstellen. Nur mit regelmäßiger Imprägnierung alle 6 Monate und extrem vorsichtiger Pflege kann er dort überleben. Für Küchen ist Granit die bessere Wahl.
Kann man Schiefer im Bad verwenden?
Ja, Schiefer ist eine der besten Wahl für Badezimmerböden. Er ist rutschfest, wärmt sich angenehm auf und ist widerstandsfähiger als viele denken. Wichtig ist eine gute Imprägnierung alle 18 bis 24 Monate und die Vermeidung von aggressiven Reinigern. Achte darauf, dass die Lieferung farblich konsistent ist - sonst entstehen ungleichmäßige Flächen.
Wie oft muss Naturstein imprägniert werden?
Granit: alle 12 bis 18 Monate. Marmor: alle 6 bis 12 Monate. Schiefer: alle 18 bis 24 Monate. Die Frequenz hängt von der Nutzung ab - eine stark frequentierte Küche braucht mehr Pflege als ein Schlafzimmerboden. Ein einfacher Test: Tropfe etwas Wasser auf die Oberfläche. Wenn es nach 10 Minuten eingesogen wird, ist Imprägnierung fällig.
Ist Naturstein teurer als Feinsteinzeug?
Ja, echter Naturstein ist teurer - aber nicht immer. Granit kostet etwa 95-140 €/m², Feinsteinzeug in Natursteinoptik 60-100 €/m². Aber Naturstein hält deutlich länger - bis zu 100 Jahre - und steigert den Immobilienwert. Feinsteinzeug verblasst, kratzt und wirkt nach Jahren künstlich. Naturstein wird mit der Zeit schöner.
Warum ist Granit der beliebteste Naturstein?
Weil er am widerstandsfähigsten ist. Er hält Kratzer, Hitze, Säuren und Feuchtigkeit aus. Er ist leicht zu pflegen, hat eine lange Lebensdauer und ist in vielen Farben und Strukturen erhältlich. Mit einem Marktanteil von 42 % ist er der Standard für Küchen und hochbeanspruchte Bereiche - und das aus gutem Grund.