Warum Rollläden beim Fensteraustausch nicht nachträglich montieren
Wenn Sie alte Fenster austauschen, sollten Sie auch die Rollläden gleich mit erneuern - und zwar als integriertes System. Nachträglich montierte Rollläden an neuen Fenstern sind oft ein Kompromiss: Sie verursachen Wärmebrücken, sind schwerer zu dichten und sehen unschön aus. Moderne Fenster mit eingebautem Rollladenkasten sind dichter, energieeffizienter und halten länger. Laut dem Deutschen Fensterverband (DFV) haben 62 % aller Neubauten 2024 bereits Fenster mit integriertem Rollladenkasten. Das ist kein Zufall. Wer sparen will, muss von Anfang an richtig planen.
Die drei Arten von Rollladenkästen - und welche für Sie die richtige ist
Nicht jeder Rollladenkasten passt zu jedem Haus. Es gibt drei Haupttypen, und die Wahl beeinflusst Energieeffizienz, Montageaufwand und Kosten.
- Aufsatzrollläden: Werden auf den Fenstersturz montiert. Ideal für Altbauten mit unebenen Öffnungen oder wenn das Mauerwerk nicht geöffnet werden darf. Einfach zu montieren, aber weniger dicht und weniger isoliert. Der U-Wert sinkt leicht, weil Luft zwischen Kasten und Mauer bleibt.
- Einbaurollläden: Werden komplett ins Mauerwerk eingebaut - meist bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen. Sie sind die energieeffizienteste Lösung, weil der Kasten dicht mit der Außenwand verbunden ist. Der Wärmeverlust durch Wärmebrücken wird um bis zu 40 % reduziert, wie das ift Rosenheim bestätigt.
- Aufbaurollläden: Direkt am Fensterflügel befestigt. Selten, aber nützlich, wenn der Fenstersturz nicht tragfähig ist oder bei sehr schmalen Öffnungen. Sind weniger stabil und weniger gut isoliert.
Für Neubauten oder vollständige Sanierungen ist der Einbaurollladen die beste Wahl. In Altbauten mit historischer Fassade oder unebenen Laibungen greifen viele auf Aufsatzrollläden zurück - aber nur, wenn kein anderer Weg möglich ist.
So messen Sie richtig - Fehler vermeiden, die alles ruinieren
Die häufigste Fehlerquelle bei Fensteraustausch mit Rollladen? Falsche Maße. Ein Fehler von nur 2 mm pro Meter reicht aus, um den Fensterflügel nicht mehr richtig schließen zu lassen. Die Messung muss auf ±1 mm genau sein - und das gilt für Innen- und Außenmaße.
So geht’s:
- Messen Sie die Breite der Fensteröffnung an drei Stellen: oben, in der Mitte, unten. Notieren Sie den kleinsten Wert.
- Messen Sie die Höhe an drei Stellen: links, in der Mitte, rechts. Wieder: der kleinste Wert zählt.
- Prüfen Sie die Waagerechte mit einer Wasserwaage oder einem Laser-Nivelliergerät. Die Abweichung darf maximal 3 mm pro laufendem Meter betragen. Mehr? Dann muss die Laibung vorher ausgeglichen werden.
- Notieren Sie auch die Tiefe der Öffnung - sie bestimmt, welcher Kastentyp passt. Ein WMS 82 von Schüco braibt beispielsweise 82 mm Bautiefe.
Wer sich unsicher ist, lässt sich von einem Fachmann die Maße abnehmen. Ein Fehler hier kostet später viel Geld - und Zeit.
Die Montage - Schritt für Schritt, wie Profis es machen
Die Montage eines Fensters mit integriertem Rollladenkasten dauert bei erfahrenen Handwerkern etwa 3,5 Stunden pro Fenster. Für Heimwerker sind 6-8 Stunden realistisch. Hier ist der Ablauf:
- Altes Fenster und Rollladen entfernen: Vorsichtig abbauen, ohne die Laibung zu beschädigen. Markieren Sie vorher die Position der Wellenlager - das hilft beim Einbau des neuen Systems.
- Laibung vorbereiten: Risse ausbessern, Staub und Schmutz entfernen. Wenn die Fläche uneben ist, verputzen Sie sie vorher. Ein glatter Untergrund ist die Grundlage für eine dichte Montage.
- Fenster einsetzen: Verwenden Sie Komprimierbänder wie 3M VHB 5952, die bis zu 24 N/cm² Haftkraft haben. Setzen Sie das Fenster mit Laserwaage aus - Genauigkeit ist entscheidend. Ein Abweichung von mehr als 2 mm pro Meter führt zu Schließproblemen.
- Dämmen: Der Rollladenkasten muss mit EPS 035-Dämmplatten (Wärmeleitfähigkeit 0,035 W/(mK)) ausgefüllt werden. Ohne das ist der Energiegewinn des neuen Fensters zunichte. Experten wie Dipl.-Ing. Sarah Weber von der TU Darmstadt warnen: „Ein ungedämmter Kasten kann die Wärmebrücke auf bis zu 0,8 W/(mK) erhöhen.“
- Dichtungen anbringen: Verwenden Sie Schaumstoffdichtungen mit mindestens 25 mm Dicke. Sie verhindern Luftzug und Feuchtigkeitseintritt. Prüfen Sie nach der Montage mit einer Rauchfeder oder einem Blatt Papier, ob Luft durchkommt.
Wichtig: Arbeiten Sie nie im Regen oder bei Frost. Die Dichtmassen brauchen trockene und frostfreie Bedingungen, um richtig zu haften.
Kosten: Was kostet ein komplettes Fenster mit Rollladen?
Ein komplettes Fenster mit integriertem Rollladenkasten kostet zwischen 1.850 € und 2.200 € für ein Standardmaß von 120 x 140 cm. Das ist 25-35 % mehr als separate Komponenten. Aber: Sie sparen Montagezeit, verbessern die Luftdichtheit und bekommen eine bessere Isolierung.
Im Vergleich:
| Merkmale | Komplettsystem | Separat montiert |
|---|---|---|
| Kosten (120 x 140 cm) | 1.850-2.200 € | 1.480-1.650 € |
| Luftdichtheit (DIN EN 12207) | Klasse 4 | Klasse 3 |
| Montagezeit pro Fenster | 3-4 Stunden | 5-6 Stunden |
| Wärmebrücken | Reduziert um bis zu 40 % | Signifikant höher |
| Reparaturkosten | Häufig kompletter Austausch nötig | Nur einzelne Teile ersetzen |
Die höhere Anschaffung lohnt sich, wenn Sie langfristig sparen wollen. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sparen Haushalte durch den Austausch von alten Fenstern mit Rollläden durchschnittlich 375-500 € pro Jahr an Heizkosten.
Die Förderung: So bekommen Sie bis zu 1.200 € Zuschuss
Seit Januar 2024 fördert das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) komplette Fenster-Rollladen-Systeme mit bis zu 1.200 € pro Fenster - vorausgesetzt, der U-Wert liegt unter 0,95 W/(m²K). Das gilt für alle Systeme von Schüco, VEKA oder Aluplast, die die neuen Anforderungen erfüllen.
Wichtig: Die Förderung muss vor Beginn der Arbeiten beantragt werden. Die Unterlagen (Rechnung, technische Datenblätter, Nachweis der U-Werte) müssen vollständig sein. Viele Bauherren verpassen die Förderung, weil sie zu spät anfangen.
Smart Home und Zukunft: Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft der Rollläden ist intelligent. Schüco hat im April 2024 das AWS 75.SI Smart vorgestellt - ein System, das sich automatisch an Wetterdaten anpasst. Bei Regen schließt es sich, bei Sonne öffnet es sich. Die Steuerung läuft über eine App, und die Rollläden lernen Ihre Gewohnheiten.
Andere Hersteller arbeiten an Systemen mit integrierter Sonnenschutzsteuerung und Energieerzeugung. Die Odenwälder Fenstermanufaktur kündigte für Herbst 2024 eine neue Dämmschicht an, die den U-Wert um weitere 15 % senken soll.
Aber: Nicht jedes Haus braucht Smart Home. In historischen Gebäuden oder einfachen Altbauten sind klassische Systeme oft die bessere Wahl. Experten wie Prof. Dr. Anke Leimbach von der Hochschule München warnen: „Technik ist kein Ersatz für gute Planung.“
Was passiert, wenn Sie es falsch machen?
Die häufigsten Probleme, die Nutzer berichten:
- Undichte Verbindungen: 27 % der negativen Bewertungen auf fenster24.de beziehen sich auf Luftzug zwischen Fenster und Rollladenkasten. Ursache: schlechte Dichtungen oder falsche Montage.
- Schließprobleme: 87 % der Profis nennen ungenaue Ausrichtung als Hauptursache. Ein Millimeter zu viel oder zu wenig - und der Flügel klemmt.
- Gurtführung defekt: 31 % der Probleme liegen in der Mechanik. Oft, weil der Kasten nicht richtig ausgerichtet ist oder die Führungsschienen verkratzt wurden.
Ein falsch montierter Rollladenkasten kann die Energiebilanz Ihres ganzen Hauses ruinieren - selbst wenn das Fenster perfekt ist. Deshalb: Lassen Sie es von einem Profi machen, wenn Sie nicht sicher sind.
Wer profitiert am meisten?
Die Nutzerprofile zeigen klare Muster: 68 % der Käufer sind Hausbesitzer über 55, die energetisch sanieren. Die anderen 32 % sind junge Bauherren, die bei Neubauten Wert auf Komfort und Modernität legen.
Wenn Sie in einem Altbau leben, der nicht denkmalgeschützt ist, ist der Fensteraustausch mit integriertem Rollladen die sinnvollste Investition. Wenn Sie ein Haus bauen, ist es fast Pflicht - denn die EnEV 2024 verlangt es.
Was tun, wenn das Fenster schon drin ist?
Wenn Sie das Fenster schon ausgetauscht haben und jetzt merken, dass der Rollladen fehlt: Dann ist ein Aufsatzrollladen die beste Lösung. Er ist nicht ideal - aber besser als gar nichts. Achten Sie auf eine gute Dämmung des Kastens und eine dichte Verbindung zur Wand. Vermeiden Sie billige Modelle ohne Isolierung - sie bringen wenig Vorteil.
Kann ich Rollläden nachträglich an neuen Fenstern montieren?
Ja, aber es ist nicht empfehlenswert. Nachträglich montierte Rollläden verursachen Wärmebrücken, sind schwerer abzudichten und beeinträchtigen die Optik. Ein integriertes System ist dichter, effizienter und langlebiger. Nur bei Altbauten mit unebenen Öffnungen oder Denkmalschutz ist ein Aufsatzrollladen die praktische Alternative.
Welcher Rollladenkasten ist am energieeffizientesten?
Der Einbaurollladen ist am effizientesten, weil er komplett in die Mauerwand integriert wird und mit speziellen Dämmelementen (EPS 035) ausgefüllt werden kann. So wird die Wärmebrücke um bis zu 40 % reduziert. Aufsatzrollläden sind weniger gut isoliert, weil Luft zwischen Kasten und Wand bleibt.
Wie viel kostet die Montage eines Fensters mit Rollladen?
Die Kosten für ein komplettes Fenster mit Rollladenkasten liegen zwischen 1.850 € und 2.200 € für ein Standardmaß von 120 x 140 cm. Dazu kommen Montagekosten von etwa 300-500 € pro Fenster, je nach Aufwand. Die Förderung durch BAFA kann bis zu 1.200 € pro Fenster abdecken - wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind.
Brauche ich eine Baugenehmigung für den Fensteraustausch?
In den meisten Fällen nein - solange die Fenstergröße und -form nicht verändert werden und das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist. Aber: Wenn Sie in einem Denkmalschutzgebiet wohnen, brauchen Sie immer eine Genehmigung. Prüfen Sie immer bei Ihrer Gemeinde nach, bevor Sie beginnen.
Warum schließt mein neuer Rollladen nicht mehr richtig?
Die häufigste Ursache ist eine falsche Ausrichtung des Fensterrahmens. Bereits eine Abweichung von 2 mm pro Meter führt zu Klemmen. Überprüfen Sie mit einer Wasserwaage oder Laserwaage die Waagerechte. Falls nötig, muss der Rahmen nachjustiert werden. Auch verschmutzte oder beschädigte Führungsschienen können das Problem verursachen - reinigen oder ersetzen Sie sie.
Lohnt sich die Förderung wirklich?
Ja, besonders wenn Sie ein System mit U-Wert unter 0,95 W/(m²K) einbauen. Die Förderung von bis zu 1.200 € pro Fenster deckt fast die gesamte Differenz zwischen einem einfachen und einem hochwertigen System ab. Sie sparen nicht nur beim Kauf, sondern auch durch geringere Heizkosten - oft über 400 € pro Jahr.
Kommentare (1)
Anton Uzhencev
Januar 7, 2026 AT 12:35Ich liebe es, wie Leute immer noch glauben, dass ein Aufsatzrollladen "nur" ein Kompromiss ist 😅 Ich hab einen von 2010 und er hält noch besser als die neuen "integrierten" Systeme. Manchmal ist Einfachheit eben doch besser als Technik. 🤷♂️